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'Raggi Verdi' in München: Grüne Vision für ein nachhaltiges Europa

26.03.2010STRATEGISCHES ZUKUNFTSKONZEPT

'Raggi Verdi' in München: Grüne Vision für ein nachhaltiges Europa

Mit ihrer Idee der "grünen Strahlen" planen die Landschaftsarchitekten Andreas Kipar und Giovanni Sala seit einigen Jahren die Umgestaltung des Großraums Mailand. Die norditalienische Metropole soll grüner sowie fußgänger- und radfahrerfreundlicher werden. Nun brachte das deutsch-italienische Planerteam seine Vision in Form einer Ausstellung nach Deutschland. Nach einem Gastspiel in Berlin kam 'Raggi Verdi: Green Vision for Milan 2015' nach München - EUROPOLITAN war vor Ort.

Die Frage, wie mit leerstehenden ehemaligen Industriestandorten umgegangen werden soll, ist eine große Herausforderung für Stadtverwaltungen im postindustriellen Zeitalter. Einen ebenso bemerkenswerten wie interessanten Weg hierfür erdachte die Planergruppe LAND, die 1990 vom Deutschen Andreas Kipar und vom Italiener Giovanni Sala gegründet wurde: Ihre Lösung lautet 'Raggi Verdi' - grüne Strahlen.

Mit diesem Projekt wagt sich die Gruppe seit etwa 2004 an die Umgestaltung des Mailänder Großraums. Die Anregung ging dabei von der örtlichen Bürgerinitiative AIM aus. Die beiden Landschaftsarchitekten setzten ihrerseits den Wunsch der Menschen, die von wenigen Grünflächen und Radwegen gezeichnete Innenstadt für den Passantenverkehr durchlässiger zu machen, in ihr Projekt der 'Raggi Verdi' um.

Die Grundidee lautet so: Von der Innenstadt aus gehen acht grüne Strahlen nach außen, bis sie außerhalb des Stadtkerns auf einen grünen Ring treffen, wo ein Fuß- und Radweg in einer Gesamtlänge von 72 Kilometern die Stadt umschließen soll. Innerhalb der Strahlen werden bestehende Grünflächen genutzt und mit neu angelegten verbunden, zudem werden großzügig Radwege angelegt. Und die ehemaligen Industriestandorte, wie in Mailand etwa die Gelände von Pirelli, Alfa Romeo oder Maserati, werden als Grünanlagen, Passagen für den Fußgängerverkehr oder auf anderem Weg in die Strahlen integriert.

Mit diesem Unterfangen wollen Andreas Kipar und Giovanni Sala bewusst einen Gegenpol zum hektischen Treiben der modernen Gesellschaft setzen. Die grünen Strahlen, von denen jeder einem Stadtteil zugeordnet ist, sollen den Menschen ermöglichen, die Stadt wieder in Ruhe zu Fuß zu erkunden - sie sich gewissermaßen wieder anzueignen. Was nach bloßer Vision klingt, ist jedoch mehr. Die Mailänder Stadtverwaltung hat die Idee der Architektengruppe bereitwillig aufgegriffen, und sie ganz vorne ins Maßnahmen-Dossier zur EXPO 2015, der in Mailand stattfindenden Weltausstellung, aufgenommen.

Am Mittwoch ist nun in München die Ausstellung zum 'Raggi Verdi'-Projekt eingeweiht worden, mit der die Macher ihren Plan über die Grenzen Italiens hinaus bekannt machen wollen. Vor der bayerischen Metropole war bereits Berlin an der Reihe, und von München aus wird die Ausstellung noch nach Frankfurt, Hamburg, Paris, London und New York wandern.

In ihrer Eröffnungs- und Begrüßungsrede lobte die Münchener Stadtbaurätin Elisabeth Merk dann auch die grüne Vision des deutsch-italienischen Architektenteams. Andreas Kipar zeige mit seinem Partner, so Merk, "dass grün ein Impulsgeber sein kann für andere Städte". Generell zog die Referentin einige Parallelen zwischen der Mailänder Situation und der Münchens. Beide Städte breiten sich großflächig aus und verfügen über wenig verfügbare Baufläche im Inneren.

Später im EUROPOLITAN-Interview bekräftigte die 46-jährige Professorin allerdings, dass München im Gegensatz zu anderen europäischen Städten über "eine lange Tradition der Landschaftsplanung, der Öffnung zur Stadt" verfüge. Als Beispiel nannte sie neben dem allseits bekannten Englischen Garten auch den Olympiapark, den "bedeutendsten Park des 20. Jahrhunderts, bei dem versucht wurde, die Einheit von Natur und Architektur zu betonen" - etwas, was das LAND-Team nun in Mailand auf die gesamte Stadt ausgedehnt ebenfalls versucht. Desweiteren seien in München aktuelle Projekte in der Landschaftsarchitektur etwa die Gartenstadt Riem oder die Nordheide, nicht zuletzt auch die Isar-Restaurierung.

"Raggi Verdi ist ein gutes Beispiel für die Weiterentwicklung einer europäischen Stadt, vor allem für den Umgang mit Stadtbrachen", betonte Dr. Merk, und sah auch in einer bereits mit viel Grün versehenen Stadt wie München Möglichkeiten, derartige Maßnahmen zu implementieren. Zum Beispiel leerstehende Kasernengebäude im Stadtgebiet, oder Industriestandorte in Freimann.

Dass landschaftsarchitektonische Ideen auch in der bayerischen Landeshauptstadt nicht auf taube Ohren stoßen, zeigt das Projekt 'Agropolis', das von zwei Mitarbeitern des Instituts Urbanlandscape der TU München ins Leben gerufen worden ist. Mit dieser Idee einer Rückkehr der städtischen Landwirtschaft gewannen Jörg Schröder und sein Partner den ersten Preis beim von der Stadt München ausgelobten Ideenwettbewerb 'Open Space'.

Modellhaft wird die Idee am Neubaugebiet in Freiham, ganz im Westen der Stadt, dargestellt. Jeder Bewohner des zukünftigen Wohngebiets soll ein wenige Hektar großes Feld zur Bebauung erhalten, wodurch das Gelände zum "Agrikulturpark" werden soll. Langfristig soll sich die Idee der Landwirtschaft auf die gesamte Stadt ausbreiten, auf Dach- und Hinterhofgärten, sowie auf die ungenutzten Grünflächen zwischen den riesigen Wohnblöcken aus den 1970er Jahren.

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An innovativen Ideen mangelt es also nicht, ob es sich nun das Mailänder 'Raggi Verde'-Projekt oder um die Münchener 'Agropolis' handelt. Wenn es das Münchener Projekt nun genauso in die Köpfe der Bevölkerung schafft, wie es der Idee von Andreas Kipar und Giovanni Sala bereits gelungen ist, stehen auch der bayerischen Landeshauptstadt interessante Jahre voller Veränderung bevor.

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