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20.02.2006Winterspiele in Turin und Profi-Sportler bei Olympia

Ein Kranz aus wilden Oliven

Seit der Streichung des Amateurparagraphen 1981 sind olympische Siege auch den Profis vergönnt. Ein logischer Schritt in Richtung sportliche Ehrlichkeit. Denn Profis beherrschen die internationale Szene - seit der Antike.

Als Baron de Coubertin die olympischen Spiele 1896 wiederbelebte, spielte der Amateurstatus eine entscheidende Rolle. Der Sport sollte zu seinen Idealen zurückfinden. Das Motiv zur Gründung der modernen olympischen Bewegung wurde von zwei grundsätzlichen Ideen geleitet: Teilnehmen sei wichtiger als Siegen und der klassische Amateur hat nicht seinen Geldbeutel und persönlichen Ruhm im Auge. De Coubertin wollte die olympischen Spiele nur für die Eliten zu reservieren. Sie bekamen einen sozial ausgrenzenden Charakter. Denn am Ende des 19. Jahrhunderts war Profisport eine schmutzige und proletarische Sache. Ein Rummelboxer sollte dem olympischen Ideal keine Haken verpassen. Der britische College-Sport mit seinem Leitbild „die Freude des Sports um seiner selbst willen“ stand diesem Traum Pate. Das Motto „höher, schneller, weiter“, das über den Spielen schwebte, forderte jedenfalls keinen Amateurstatus. Trotzdem sollte Sport vom Pöbel abgegrenzt  werden. 

Golden League der Antike 

Die olympischen Spiele der Antike waren der Anfang des Profisports. Immer wieder wird der Mythos heraufbeschworen, die antiken Helden liefen, sprangen und warfen nur für einen Olivenkranz. Die Sporthistoriker belehrten uns eines besseren. Kein Sieger der antiken olympischen Spiele hätte bei den modernen Spielen – zumindest bis 1984 – antreten dürfen. Bei den „Kranzspielen“ den eigentlichen olympischen Spielen, gab es Kränze aus Kiefern- und Olivenzweigen für die Sieger. Bei den „Preisspielen“ – zu vergleichen mit den heutigen Meetings wie der „Goldenen Serie“ – wurden beachtliche Prämien ausgeschüttet. Die Teilnehmer waren identisch. Echte Profis also, die mit Sport ihren Lebensunterhalt verdienten.  

Aus einer Inschrift weiß man, dass im 4. Jahrhundert vor Christi der Sieger im Stadionlauf (192m) hundert Amphoren Olivenöl erhielt. Das reichte für hundert Schafe, sechs Sklaven des mittleren Preissegments oder eine Villa in Athens Top-Lage. Der zweite Mythos: Teilnahme ist alles. Ebenfalls ein Konstrukt der modernen Olympiabewegung. Wer in der Antike nicht Olympionike wurde, schlich davon, wie nach einem verlorenen Krieg. Es war ehrenvoller, nicht anzutreten, als zu verlieren. Silber- und Bronzemedaillen waren der Antike fremd.  

Ende der Heuchelei 

In den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts drängten vermehrt Sponsoren und Ausrüster in die olympische Szene, um vom Image des „reinen“ Sports zu profitieren. Sport wurde zur Ware. Erstaunlich, dass die Sportler – vornehmlich die im Westen – so lange still hielten. Sie sollten weiterhin nur Olivenzweige gewinnen, während gerade publikumsträchtige Sportarten große Profite versprachen. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) definierte den Amateurstatus mehrfach um. Wer sein Geld direkt von Unternehmen bekam, war ein Profi. Wer seine Prämien über Sportförderungen o.ä. erhielt und im definierten Rahmen darüber verfügen konnte, sollte immer noch ein Amateur sein. Der Ostblock schuf bereits nach 1945 die subventionierten Staatsamateure mit Erwerbschance während der aktiven Laufbahn und Versorgungschance nach Karriereende. Kommunistische Profis eben.

Geld, Gold und Doping

Mit der endgültigen Öffnung der Spiele für Profis 1981 und dem erstmaligen Verkauf der Rechte an den Sommerspielen 1984 floss Geld, vor allem aus der Vergabe von TV-Rechten, in die olympischen Organisationen. Das IOC konnte ab jetzt seinem Präsidenten eine bescheidene Aufwandsentschädigung von $ 500.000 pro Jahr zahlen. Was sollten die Sportler auch dazu sagen, wenn alle Gruppen mit Vermarktungsinteressen (Veranstalter, Medien, IOC, Sponsoren, Wirtschaft) vom „olympischen Gedanken“ profitierten, nur sie selbst, die durch ihre Leistung die Spiele am Leben halten, davon ausgenommen werden sollten?

Das IOC erkannte, dass die weltbesten Sportler teilnehmen müssen, um die Marke „Olympia“ optimal zu vermarkten. Und die besten sind nun mal die Profis. Mit den Tennisprofis 1988 und dem US-Basketball-Team 1992 wurden die Ikonen des Profisports in die olympische Familie aufgenommen. Gleichzeitig bekam der Sport ein neues Problem durch verbesserte Kontrollmethoden: Doping. Nur die Top-Leistung zählt. In Athen verfolgen die Athleten graphisch animierte Weltrekordlinien. Nur die Teilnahme zählt? Nein. Nur der Sieg, wenn es ein Rekord ist. Olympia ist angekommen.

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