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French Open: Roger Federer hat's schwer, Martina Hingis nimmt's leicht

08.06.2009FRENCH OPEN GEWONNEN

Roger Federer feiert in Paris weinend größten Triumph

Roger Federer hat es endlich geschafft. Im Finale der French Open besiegte der Schweizer am gestrigen Sonntag den Schweder Robin Söderling glatt mit 6:1, 7:6 und 6:4 und hat damit auch den letzten ihm noch fehlenden großen Titel gewonnen und außerdem mit seinem 14. Grand Slam-Titel den Rekord von Pete Sampras eingestellt.

Tränen schossen dem Mann in die Augen, der auf dem Court Philippe Chatrier soeben historisches vollbracht hatte. Nicht, dass Roger Federer in solchen Dingen keine Erfahrung hätte. Doch der Sieg in Paris war ein ganz besonderer Moment für den langjährigen Weltranglistenersten. Zum elften Mal war Federer nach Paris gekommen, zuletzt war er vier Mal am Spanier Rafael Nadal gescheitert. 2006, 2007 und 2008 jeweils im Finale. Roland Garros drohte, der ewige Makel seiner Karriere zu bleiben. Doch im Nieselregen von Paris hat Federer es geschafft, auch den letzten noch fehlenden großen Titel zu gewinnen.

Der Schwede Robin Söderling, der zwei Wochen lang ein fantastisches Turnier gespielt hatte und unter anderem Rafael Nadal seine erste Niederlage bei den French Open überhaupt zugefügt hatte, zollte seinem Bezwinger nach dem Match den verdienten Respekt. "Du hast mir heute eine Lehrstunde gegeben", so Söderling bei der Siegerehrung in Richtung Federer. "Du bist für mich der Größte aller Zeiten."

Federer selbst hatte sichtbare Probleme, die Fassung zu bewahren. "Es ist überwältigend. Es ist vielleicht der schönste Sieg meiner Laufbahn, weil ich so viel Druck hatte." Zwei Wochen lang hat der Schweizer großartiges Sandplatz-Tennis gezeigt, wenngleich einige Matches hart umkämpft waren. Gegen Tommy Haas lag Federer bereits mit 0:2 Sätzen zurück und hatte einen Breakball beim Stand von 4:4 gegen sich. Doch es folgte eine geniale Vorhand auf die Linie, Federer war zurück im Match und setzte sich am Ende souverän durch. Es war einer dieser magischen Momente des Roger Federer. Und vielleicht der Schlüssel zum Turniersieg.

Seine mentale Stärke bewies der Ausnahmekönner auch im Finale gegen Söderling. Nachdem der erste Satz zu einer nicht einmal halbstündigen Tennisdemonstration geworden war, fand der Schwede im zweiten Satz besser ins Spiel. Doch im abschließenden Tie-Break servierte Federer ganz lässig vier Asse, was auch seinen Gegner ungläubig staunen ließ. "Der zweite Satz war der Schlüssel. Ich habe einen der besten Tiebreaks meiner Karriere gespielt mit vier Assen", so Federer gegenüber der 'dpa'.

Auch ein Flitzer, der zwischenzeitlich das Spielfeld enterte, konnte Federer nicht stoppen. Lediglich die eigenen Gedanken schienen ihm mit zunehmender Spieldauer noch gefährlich werden zu können, wie der 27-Jährige zugab. Fragen schwirrten in seinem Kopf herum. "Was passiert, wenn ich gewinne? Was wird das bedeuten? Was werde ich sagen? Ich war sehr nervös." Und schon vor dem Matchball schienen ihm Tränen in die Augen zu schießen, als Söderling seinen letzten Return ins Netz gesetzt hatte, brachen alle Dämme.

Die 15.000 Zuschauer jubelten, Federer weinte, seine schwangere Frau Mirka war glücklich - und dann betrat auch noch Andre Agassi den Platz. Der Amerikaner hatte vor genau zehn Jahren in Roland Garros gewonnen. Es war damals sein elfter Versuch, den Coupe des Mousquetaires zu gewinnen. Agassi schaffte es und stieg als fünfter Spieler in den Kreis derjenigen auf, die alle vier Grand Slam-Titel gewinnen konnten. Federer ist der sechste.

"Roger verdient das noch mehr, als ich es verdient habe", so Agassi, der dem Schweizer den Pokal überreichte. "Dass du hier bist bedeutet mir alles", richtete sich Federer in seiner abschließenden Rede auch an Agassi. Zwei große dieses Sports standen gemeinsam auf der Bühne. Und Federer hat schon bald die Chance, eine weitere Stufe zu erklimmen. Ein Sieg in Wilmbledon würde der 15. Titel bei einem Grand Slam-Turnier sein.

Im vergangenen Jahr verlor Federer dort ein unglaubliches Finale in fünf Sätzen gegen Rafael Nadal. Es sah wie die endgültige Wachablösung an der Spitze der Tenniswelt aus. Zwar gewann Federer danach noch die US-Open, musste sich aber im Finale der Australian Open erneut Nadal geschlagen geben. Seinen ersten Turniersieg in dieser Saison feierte Federer erst in Madrid. Und dieser Sieg ließ das erste Mal aufhorchen, denn der Gegner im Finale war Nadal, dem er beim 6:4, 6:4 keine Chance ließ.

Der Roger Federer von Paris war dann wohl der beste Roger Federer, den man auf Sand je gesehen hat. Endlich war wieder die alte Souveränität des Schweizers erkennbar, die kühle Eleganz, mit der er die Tenniswelt über Jahre hinweg dominiert hat. Im vergangenen Jahr musste Federer in Paris eine Niederlage hinnehmen, wie er sie selten erlebt hatte. 1:6, 3:6, 0:6 hieß es damals. Kurz darauf die Niederlage von Wimbledon. Vor den diesjährigen French Open drohte er gar von Andy Murray in der Weltrangliste überholt zu werden.

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Doch nun scheint Federer endgültig wieder da zu sein. Und kann in Zukunft ganz befreit aufspielen. Er hat alle Titel gewonnen, es fehlt lediglich noch der Grand Slam, der Sieg bei den vier großen Turnieren innerhalb einer Saison. Doch auch wenn er dieses Ziel nicht erreicht, Roger Federer ist einer der Besten, die jemals einen Tennisplatz betreten haben. 14 Grand Slam-Titel, die längste Zeit in Folge Nummer 1 der Welt, 20 Grand Slam-Halbfinals in Folge. Die Liste der Superlative ist lang. Und Federer, der trotz aller Übermenschlichkeit auf dem Tennisplatz immer Mensch geblieben und daher bei Kollegen und Fans eine Beliebtheit wie kaum ein anderer Spieler genießt, hat nach eigenen Angaben noch keinen Gedanken an einen Rücktritt verschwendet.

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