Britische Forscher vom Imperial College London haben jetzt entdeckt, dass der Klimawandel die Evolution außer Kraft setzten kann: In den nordschottischen Hebriden werden die Schafe kleiner statt größer.
Es ist das Gegenteil der Evolutions-Theorie: Soay-Schafe, die seit über 4000 Jahren auf der kleinen schottischen Insel Hirta leben, wachsen nach der Geburt nicht mehr so schnell wie früher, als die Tiere ihr Übeleben während der rauen Wintermonate auf den Äußeren Hebriden sichern mussten. Das fand ein Forscherteam rund um Tim Coulson und seine Kollegen heraus.
Im US-Magazin 'Science' veröffentlichten die Wissenschaftler, was ihre langjährige Studien über Größen- und Gewichtsmessungen bestätigten: Dass die weiblichen, schottischen Schafe in den vergangenen 24 Jahren um fast fünf Prozent kleiner geworden sind. Die Briten schlossen daraus, dass kleine Schafe eine bessere Chance hatten, bis ins Erwachsenenalter zu überleben.
„Bedingt durch den Klimawandel ist in mehr Monaten des lebenswichtige Futtergras verfügbar, und die Bedingungen zum Überleben sind keine so große Herausforderung mehr", zogen die Briten das Fazit in der her in der US-Fachzeitschrift. „Sogar die langsam wachsenden Schafe haben eine Überlebenschance - und das bedeutet, kleinere Individuen werden zunehmend verbreitet in der Population," schreibt Coulson weiter.
Ein zweiter erforschter Punkt trägt zum perfekten Gesamtbild bei: Demnach werden die weiblichen Schafe mittlerweile besonders früh trächtig. Der Nachwuchs der sehr jungen Muttertiere ist kleiner, als diese selbst bei ihrer Geburt waren.
Damit lieferten die Experten einen ersten Gegenbeweis zur klassischen Evolutionslehre. Diese besagt, dass die Tiere im Laufe der Entwicklung tendenziell größer werden müssten, denn große Schafe bedeuten eine größere Chance auf Überleben im Vergleich zu ihren kleineren Artgenossen - und garantiert, dass sie sich öfter fortpflanzen. (sdo)