Das Comeback von Michael Schumacher in der Formel 1 ist geplatzt. Wie der 40-Jährige am heutigen Dienstag auf seiner Internet-Seite bekannt gab, lassen seine Nackenverletzungen von einem Motorradunfall im Februar diesen Jahres eine Rückkehr in die Königsklasse des Motorsports nicht zu. Den vorerst vakanten Platz im Ferrari-Cockpit wird nun der Italiener Luca Badoer übernehmen - der null WM-Punkte aus 48 Rennen vorweisen kann.
Ungewöhnlich still und leise ereilte die Schreckensnachricht die Formel 1-Welt. Eine kleine Meldung links unten am Bildschirm - mehr Platz scheint Michael Schumacher dieser Neuigkeit auf seiner Homepage nicht einräumen zu wollen. "Michael sagt F1-Comeback ab", steht dort geschrieben, und wer auf die Meldung klickt, wird auf eine Stellungnahme des siebenmaligen Formel-1-Weltmeisters weitergeleitet, in der es heißt: "Ich habe absolut alles versucht, dieses Comeback auf Zeit möglich zu machen, aber zu meinem größten Bedauern klappt es nicht. Die Schmerzen im Nacken, die nach dem privaten F1-Tag in Mugello auftraten, haben wir leider nicht in den Griff bekommen - auch wenn wir alles versucht haben, was medizinisch und therapeutisch machbar ist."
Was sich auf Michael Schumachers Website so unwichtig liest, hat in der krisengeschüttelten Formel-1-Welt größtes Bedauern ausgelöst. Auf die Euphorie folgt die Ernüchterung. Denn keine andere Sportart leidet so sehr unter der Wirtschaftskrise wie die selbsternannte Königsklasse des Motorsports. Nicht nur ziehen sich zunehmend Werbepartner und Sponsoren zurück, der Öffentlichkeit ist das Gelder von Autokonzernen verschlingende und die Umwelt belastende Treiben auch immer schwieriger zu vermitteln. Ein Comeback des besten Fahrers aller Zeiten, und sei es nur für ein paar Rennen, hätte also dringend benötigte Publicity geliefert.
"Das ist natürlich keine gute Nachricht", sagte Pablo Pernia, Sprecher der Veranstaltergesellschaft des spanischen Grand Prix in Valencia. Dort hätte Schumacher am 23. August sein Comeback geben sollen. Nach Angaben der Zeitung 'El Pais' gab es für das Rennen in den letzten zwei Wochen einen großen Anstieg der Nachfrage nach Tickets, die jetzt wieder empfindlich abebben dürfte. Ohnehin sind bislang nur knapp über die Hälfte der 75.000 Eintrittskarten verkauft.
Die Nackenverletzung, an der Schumacher immer noch laboriert, stammt von einem schweren Motorrad-Unfall aus dem Februar diesen Jahres."Die Brüche im Bereich Kopf und Hals wiegen leider noch immer zu schwer. Daher kann mein Nacken den extremen Belastungen der Formel 1 nicht standhalten", schreibt der Kerpener auf seiner Homepage. Manager Willi Weber sprach vom schwersten Unfall, "den Michael in seiner Motorsportkarriere hatte". Seine Pressesprecherin Sabine Kehm enthüllte in einem Interview mit dem Nachrichtensender N24 sogar, dass Schumacher "Verletzungen an einer Arterie" erlitten habe.
Es ist nur schwer zu glauben, dass Schumacher um das wahre Ausmaß seiner Verletzungen nicht wusste. Auf seiner Homepage spricht der 40-Jährige von einer ärztlichen Untersuchung am gestrigen Montag, die erst wirklichen Aufschluß über seine Frakturen im Kopf- und Nackenbereich lieferte. Doch vieles spricht dafür, dass sich der Kopfmensch Schumacher bei seiner Entscheidung zum Comeback einfach von seinem Bauch überrumpeln ließ, vom Gefühl, der Ferrari-Familie einen wichtigen Dienst leisten zu müssen. "Es gibt viel mehr Gründe dagegen als dafür", schrieb Kehm in einem Gastbeitrag für die 'Welt am Sonntag'. "Michael hat sie sich selbst bewusst gemacht während seiner Entscheidungsfindung. Und sich dann bewusst darüber hinweg - und damit ins Risiko gesetzt." Doch nach seiner ersten Probefahrt am Wochenende in Mugello scheint der Kopfmensch Schumacher wieder die Oberhand gewonnen und die richtige, vernünftigere Entscheidung gewonnen zu haben.
So bedauernswert diese Nachricht für die Formel-1-Welt ist, einem beinahe schon vergessenen Kind des Rennzirkus bietet sie eine letzte Chance: Luca Badoer. Der 38-jährige Italiener soll mindestens für das Rennen in Valencia das Cockpit des verletzten Ferrari-Piloten Felipe Massa übernehmen. Der Haken dabei: Badoer fährt mit der Empfehlung von genau null Punkten aus 48 WM-Rennen. "Mit Zustimmung von Stefano Domenicali habe ich entschieden, dass Luca Badoer die Chance bekommen soll, für Ferrari im Rennen anzutreten, nachdem er viele Jahre harte Arbeit als Testpilot für uns erledigt hat", ließ Luca di Montezemolo, der Patriarch der Scuderia, verlauten. Badoer gilt als ausgesprochen zuverlässiger und konstanter, wenn auch nicht unbedingt schneller Formel-1-Fahrer. Sein Comeback ist den Sportnachrichten daher auch nur eine kleine Erwähnung wert, links unten am Rand.