Von MAXIMILIAN PISACANE Der Chef der deutschen Finanzaufsicht, Jochen Sanio, befürchtet für den Fall der Schieflage eines großen Hedgefonds eine internationale Finanzkrise. Als „klares Warnsignal“ nannte er die Pleite des Hedgefonds...
Von MAXIMILIAN PISACANE
Der Chef der deutschen Finanzaufsicht, Jochen Sanio, befürchtet für den Fall der Schieflage eines großen Hedgefonds eine internationale Finanzkrise. Als „klares Warnsignal“ nannte er die Pleite des Hedgefonds Amaranth, der im vergangenen Jahr innerhalb weniger Tage sechs Milliarden Dollar verlor.
Da half dem zuvor als Wunderkind der Branche gefeierten Manager Brian Hunter auch nicht der symbolträchtige Name: Amaranth steht im Griechischen für „Unsterblichkeit“. "Beim nächsten Fall dieser Größenordnung könnte der Blitz einschlagen und das Finanzsystem erschüttern", sagte der Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) in einem am Samstag vorab veröffentlichen Interview der Zeitung "Welt am Sonntag".
Mehr Transparenz könnte Risiko minimieren
„Viele Fonds werden in ernsthafte Schwierigkeiten geraten“, prophezeite der Rohstoffexperte Jim Rogers bereits im Februar gegenüber dem Handelsblatt. Konkrete Namen nannte der 64-Jährige nicht, doch „wenn nur einige der Hedgefonds zusammenbrechen, wird das enorme Auswirkungen haben“.
Für diese Schlussfolgerung bedarf es keines Expertenwissens, Grundkenntnisse in Mathematik reichen vollkommen aus: Die ungefähr 9.000 Hedgefonds weltweit verwalten ein Vermögen von 1,3 Billionen US-Dollar. Das entspricht 13 Prozent Wachstum gegenüber dem Vorjahr und ist damit mehr als doppelt so viel wie vor fünf Jahren. Die Zahlen sind Schätzwerte von Experten, denn dieses hochspekulative Anlageprodukt unterliegt nur sehr wenigen Regularien und Transparenzverpflichtungen – in den USA beispielsweise gibt’s erst seit Kurzem eine Registrierungspflicht.
Befürworter solcher Hedgefonds halten das indes für Panikmache. Immerhin sollen diese Fonds nur höchstens zehn Prozent des weltweit an den Finanzmärkten gehandelten Kapitals ausmachen. Und es sei ja recht unwahrscheinlich, dass alle Pleite machten. Doch die Wahrheit ist, dass gerade wegen der fehlenden Transparenz keine verlässlichen Zahlen existieren und so niemand wirklich weiß, wie hoch ihr Anteil am internationalen Finanzspiel ist. Hinzu kommt noch die Gefahr eines Dominoeffektes. Zum Risiko meint Sanio: "Niemand bestreitet aber noch ernsthaft, dass hier ein großes Gefahrenpotenzial für die Stabilität des internationalen Finanzsystems besteht."
Unterschätzte Gefahr
Doch die bisherigen Warnhinweise ähneln denen auf Zigarettenpackungen frappierend: „Der Bundesminister der Finanzen warnt: Bei diesem Investmentfonds müssen Anleger bereit und in der Lage sein, Verluste des eingesetzten Kapitals bis hin zum Totalverlust hinzunehmen!“
Doch das reicht nicht: Vor allem die Verflechtung mit des gesamten Finanzsystem bereitet Sorgen. Denn nicht selten finanzieren Hedgefonds ihre Investitionen mit Fremdkapital. Kreditgeber sind in den meisten Fällen Banken, die ihrerseits ja Akteure auf dem Finanzparkett sind. Im schlimmsten Fall käme es also zu ein Dominoeffekt: „Wenn alles anfängt auseinander zu brechen, gibt es gigantische Bereinigungen. Das wird ein böses Ende nehmen“, weissagte Rogers.
Doch was dagegen tun? Hier fehle es laut Finanz-Aufseher Sanio an der notwendigen Transparenz: "Ohne Transparenz aber kann ein Krisenmanagement schnell an seine Grenzen stoßen." Und um das Risiko zu minimieren „könnte etwa festgelegt werden, wie hoch ein möglicher Verlust im Verhältnis zum Eigenkapital eines Fonds höchstens sein darf“, schlägt Ulrich Hocker, DSW-Hauptgeschäftsführer und Ehrenpräsident von Euroshareholder, als Gegenmaßnahme vor.
Das Fehlen einer Begrenzung führe dazu, dass einige Fonds das x-fache ihres Eigenkapitals als Risiko vor sich herschieben. Auch Sanio zeigt sich vor allem mit Blick auf die Möglichkeiten der Hedgefonds, über Kredite das Anlagevolumen kräftig zu erhöhen, besorgt. Dass sich daran schon bald etwas ändern könnte, glaubt er aber nicht. Eine direkte Hedgefonds-Aufsicht mit Obergrenzen für die Verschuldung "steht nirgends auf der Tagesordnung".