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03.06.2008BAUERN AUF DEN BARRIKADEN

Spitzengespräch ohne Ergebnis: Milch-Boykott erzeugt erste Engpässe

Im nun schon mehrere Tage anhalten Streit um die Milchpreise erwartet die Branche nun vereinzelt erste Lieferengpässe. Bauernverbände hatten am gestrigen Montag an mehreren Standorten die Zufahrt zu Molkereibetrieben blockiert. Die Industrieverbände haben den protestierenden Bauern unterdessen mit Klagen und Regressforderungen gedroht.

Die Milchbauern meinen es ernst. So ernst sogar, dass sie Schadensersatzzahlungen in Millionenhöhe bereitwillig in Kauf nehmen. "Die Boykotte sind illegal. Und Illegales muss man mit dem Gesetz bekämpfen", erklärte Eberhard Hetzner, Geschäftsführer des Milchindustrie-Verbandes (MIV), gegenüber der 'Westdeutschen Allgemeinen Zeitung'. Der Verband werde seinen Mitgliedern empfehlen, juristisch gegen Boykotte vorzugehen.

Auch den Molkereien drohen unangenehme Folgen des Streiks. Die Verarbeitungsbetriebe stehen zwischen Milchbauern und Industrie und können auf die Situation der Bauern keine Rücksicht nehmen, weil sie um ihre eigene Zukunft besorgt sind. Wolfgang Rommel von der Milchunion Hocheifel sagte der ARD: "Wir können den Handel derzeit nicht beliefern, wir können keine Milch erfassen und müssen mit Schadensersatzforderungen in Millionenhöhe rechnen". Eine blockierte Molkerei in Mecklenburg-Vorpommern wirft den Bauern sogar Nötigung und schwere Eingriffe in den Straßenverkehr vor.

Unterdessen hat der Boykott der Milchbauern nach einer Woche scheinbar erste Auswirkungen. "Es gibt Lieferengpässe, und die nehmen stündlich zu", sagte Eckhard Heuser, Geschäftsführer des Milchindustrie-Verbands (MIV), der 'Financial Times Deutschland'. Heuser erwartet, dass dem Handel noch diese Woche die Milch ausgehen wird. Andere Experten sehen das nicht so. "Auch wenn ein Großteil der deutschen Bauern streikt, gibt es immer noch genügend Milch aus anderen EU-Ländern, die in Deutschland konsumiert und verarbeitet werden kann", erklärt Klaus Salhofer, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Technischen Universität München.

Geht die Blockade auch in den nächsten Tagen weiter - und davon ist auszugehen - könnte die Milchindustrie tatsächlich gezwungen sein, Milch im Ausland einzukaufen. Ein Spitzengespräch der Bauernverbände und des Einzelhandels brach am gestrigen Montagabend keine nennenswerten Ergebnisse, die Beteiligten wollen sich zum Verlauf nicht äußern. Michael Lohse, Sprecher des Deutschen Bauernverbandes (DBV), erklärte lediglich, das Gespräch sei konstruktiv gewesen, ohne jedoch nähere Angaben zu machen.

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Die Milchbauern fordern einen höheren Preis pro Liter Milch. Derzeit bekommen sie 27 bis 35 Cent. Den eigenen Angaben nach können die Bauern wegen gestiegener Futter- und Energiepreise nicht mehr kostendeckend arbeiten und fordern deshalb mindestens 43 Cent pro Liter. Bis die Forderung nicht erfüllt ist, werden die Bauern die Milch auch weiterhin wegschütten, koste es was es wolle. (vd)

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