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21.07.2008ANGEBLICH TECHNOLOGIE KOPIERT

Facebook verklagt Studentenportal StudiVZ

Alles nur geklaut? Das jedenfalls wirft das soziale Online-Netzwerk Facebook der Studentenplattform StudiVZ vor und hat den angeblichen Klon nun verklagt. Die deutsche Seite sei bis auf die Farbe eine komplette Kopie von Facebook, behaupten die Amerikaner. Doch möglicherweise steckt hinter der Klage der Versuch, den Preis vor einer möglichen Übernahme zu drücken.

„Ein großer Teil des Erfolgs - wenn nicht der gesamte Erfolg - von StudiVZ ist dem Kopieren und dem Missbrauch von Facebooks geistigem Eigentum geschuldet“, heißt es in der 116-seitigen Klageschrift, die Facebook am vergangenen Freitag bei einem US-Bezirksgericht in San Jose im Silicon Valley einreichte. Künftig soll es dem deutschen Studentenverzeichnis untersagt werden, „Aussehen, Funktionen und Service“ von Facebook.com zu kopieren.

In der Tat ist die Ähnlichkeit zwischen StudiVZ und dem amerikanischen Vorbild Facebook frappierend. Idee, Design, Struktur und Funktionen haben sich die StudiVZ-Gründer Ehssan Dariani und Dennis Bemmann 2005 scheinbar bei Facebook abgeschaut. Lediglich das sanfte Blau des amerikanischen Netzwerks änderten die Deutschen in ein helles Rot. Ob das nun ein Plagiat ist oder nicht, muss ein Gericht in Kalifornien klären, wo Facebook seinen Firmensitz hat.

Auch eine Klage vor einem deutschen Gericht sei nicht ausgeschlossen, erklärte eine Facebook-Sprecherin gegenüber der 'Financial Times Deutschland'. Die Amerikaner sahen sich gezwungen, den Rechtsweg zu einzuschlagen, nachdem direkte Gespräche mit dem Eigentümer von StudiVZ, dem Holtzbrinck-Verlag kein Ergebnis brachten.

„Wir haben viel in die Technik und das Design investiert und glauben fest daran, dass unser Erfolg maßgeblich mit unserem einmaligem Erscheinungsbild und dem 'Look and Feel' von Website und Nutzeroberfläche zusammenhängt. Wir sind enttäuscht, dass StudiVZ sich unrechtmäßig unserer Kreativität und Innovation bedient“, erklärte Facebook-Rechtsanwalt Sam O'Rourke. Das Online-Netzwerk hat den deutschen Klon zudem auf Schadensersatz verklagt. StudiVZ soll angeblich ohne Erlaubnis auf die Computersysteme und -netzwerke von Facebook zugegriffen zu haben, um sich unrechtmäßig Daten zu verschaffen.

Hinter der Klagewut des amerikanischen Internetunternehmens könnte jedoch weitaus mehr stecken als der Vorwurf des Diebstahls geistigen Eigentums. Das schon 2004 gegründete Facebook hat den Gang ins Ausland nämlich leichtfertig verschlafen. Erst seit Anfang dieses Jahres gibt es anderssprachige Versionen des ursprünglich rein englischen Angebots. Doch Anfang 2008 hatte StudiVZ mit sechs Millionen Besuchern fünf Mal mehr User als Facebook und lagt damit fast uneinholbar vorn.

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Facebook hat jetzt eigentlich nur noch einige einzige Chance: Die Amerikaner müssten ihren Konkurrenten StudiVZ aufkaufen, und das möglichst günstig. Die nun eingereichte Klage soll Experten zufolge den Preis kräftig drücken. Allerdings erklärte Holtzbrinck-Manager Konstantin Urban in der 'Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung', ein Verkauf von StudiVZ komme nicht in Frage. Aber nicht nur im Business gilt: aufgeschoben ist bekanntlich nicht aufgehoben. (vd)

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