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Alitalia in letzter Minute gerettet – Lufthansa sondiert das Terrain

28.01.2010STRECKEN KAUM AUSGELASTET?

Lufthansa Italien: Medienbericht spricht von Schwierigkeiten am Markt

Die Lufthansa muss sich einem Medienbericht zufolge hinsichtlich ihrer ehrgeizigen Wachstumsstrategie auf dem italienischen Markt mit einer durchmischten Bilanz zufrieden geben. Während die 2009 im Stiefelstaat transportierte Anzahl Passagiere rapide gestiegen ist, sollen in den Fliegern viele Plätze nach wie vor leer sein.

Das Problem ist der Load Factor: In Italien hat die Lufthansa 2009 in puncto transportierter Passagiere zwar mit 109 Prozent Wachstum einen spektakulären Satz nach vorne gemacht, die Auslastung der Flugzeuge liegt allerdings noch nicht ineinem zufriedenstellenden Bereich.

Angaben der Tageszeitung 'Il Sole 24 Ore' zufolge, die sich auf einen Insider beruft, sank der so genannte Load Factor, der die Anzahl besetzter Sitze zu der Gesamtanzahl Sitze ins Verhältnis setzt, in den ersten 25 Tagen dieses Januars auf 48,5 Prozent. Ende letzten Jahres war der Zeitung zufolge die Situation mit 54 Prozent noch ein Tick besser gewesen, befand sich aber bereits deutlich unterhalb des Niveaus, das generell für Airlines als profitabel betrachtet wird.

Das Problem scheint nicht nur im ohnehin schwierigen Branchenzustand zu liegen: Am norditalienischen Flughafen Malpensa bringen es die anderen vor Ort anwesenden Fluglinien im Schnitt auf 60,1 Prozent Auslastung - eine Zahl, die ein veritables Effizienzgefälle zur Airline mit dem Kranich erkennen läßt. Sogar die von Imageproblemen geplagte Alitalia konnte mit einem Load Factor von 55,2 Prozent einen deutlich besseren Wert hinlegen als die deutsche Konkurrenz.

Im Moment scheint die Italien-Strategie der Lufthansa also noch nicht aufzugehen. Der Anfang 2008 entwickelte Ansatz sah vor, den kostenbedingten Rückzug von Platzhirsch Alitalia aus dem reichen italienischen Norden zu nutzen, um sich dort selbst massiv auszuweiten und sich das Sahnestück des italienischen Marktes, die Po-Ebene, einzuverleiben. Gegenwärtig sieht die Situation allerdings vielmehr so aus, dass die Wettbewerber gerade auf den von Lufthansa bedienten Strecken Marktanteile hinzugewinnen, während die Deutschen vor sich hin dümpeln.

Auch sind die Zeiten einbrechender Nachfrage mittlerweile überwunden, wächst doch der Luftverkehr am Standort Malpensa im Januar im Vergleich zum Vorjahr um satte 9,2 Prozent. Ein Insider aus Airline-Kreisen wird daher auch von 'Il Sole 24 Ore' mit einer schonungslosen Diagnose zitiert: Eine "ineffiziente interne Organisation" paare sich mit einer "am italienischen Markt kaum verankerten Vertriebsstruktur, die komplett auf Frankfurt fokussiert ist".

Operativ hat die aktuelle Lage bereits dazu geführt, dass der auf Expansion zielende Ehrgeiz des Kranich-Carriers gedrosselt werden musste. Nicht nur wurde Anfang letzter Woche angekündigt, dass die generell potenzialträchtige Strecke Malpensa-Rom wegen "einer Entwicklung unter den Erwartungen" ab dem 16. Februar aufgegeben werden müsse. Auch war zuvor in italienischen Medien gemunkelt worden, dass ein schon für Dezember vorgesehener Start eines regelmäßigen Langstreckenfluges ab Mailand bis auf weiteres verschoben worden sei. Die Lufthansa bestritt jedoch auf Nachfrage von 'Europolitan.de', hier jemals einen konkreten Terminplan genannt zu haben.

Lufthansa und Sea, die Betreibergesellschaft der Mailänder Flughäfen Malpensa und Linate, wollen allerdings nach wie vor laut 'Il Sole 24 Ore' weiter am so genannten Scala-Projekt festhalten, das vorsieht, aus Malpensa bis 2013 den vierten Hub der deutschen Airline zu machen. Dennoch braucht Lufthansa auch dringend Zugang zum City Airport Linate, der von Mailand aus viel bequemer zu erreichen ist und in der Luft die Hauptverkehrsachse nach Rom bildet.

Die Strecke Linate-Rom Fiumicino ist die eigentliche Cash Cow des italienischen Marktes, doch hier herrscht nach wie vor ein faktisches Monopol des neu aufgepäppelten Lokalmatadoren Alitalia. Verständlich klingt es da, dass Heike Birlenbach, Vizepräsidentin Lufthansa Italia, kürzlich verkündete: "Wenn wir ausreichend Slots zugewiesen bekommen, um die Strecke Linate-Fiumicino so bedienen zu können, dass die Zeiten für Passagiere bequem sind, werden wir auch wieder die beiden wichtigsten italienischen Städte miteinander verbinden, und so dem Land einen verlässlichen, qualitätsorientierten und preiswerten Service bieten können."

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Fragt sich nur, ob die italienische Politik da mitspielt. Laut Birlenbach ist Linate-Fiumicino "eine der aufkommensstärksten und profitabelsten Routen Europas". Und das politisch stark gewollte Projekt einer neuen Alitalia ist auf die so generierten Einnahmen existenziell angewiesen.

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