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Alitalia in letzter Minute gerettet – Lufthansa sondiert das Terrain

17.11.2009ENORMER PREISDRUCK AM MARKT

Lufthansa übernimmt Teile der Billigflieger-Strategie – Nüchterner Ausblick auf 2010

Vizechef Christoph Franz sieht harte Zeiten auf Lufthansa zukommen. Für 2010 warnte Franz Investoren am heutigen Dienstag in einem Interview mit der ‚Financial Times Deutschland‘ schon einmal vor: „2010 wird eine schwierige Herausforderung für uns werden.“ Die Lufthansa leidet als Premium-Anbieter unter hohen Kosten und den krisenbedingten Einnahmeausfällen. Mögliche Lösungen sieht Franz in den Strategien der Billigflieger.

„Es kann doch nicht sein, dass wir mit viel Kraft- und Managementkapazitäten hingehen, um den einen oder anderen Auslandsmarkt wie die Schweiz oder Österreich als Heimatmarkt zu gewinnen und gleichzeitig wichtige Teile unseres Heimatmarktes verlieren", machte Franz im Gespräch mit WELT ONLINE klar. Die Lufthansa sei auf vielen Strecken schlicht nicht mehr wettbewerbsfähig, erklärte der Vizechef in einem Interview gegenüber der ‚Financial Times Deutschland‘. So sei der Marktanteil der Lufthansa auf bestimmten innerdeutschen Routen unter 15 Prozent gefallen.

Die Gründe dafür liegen zum einen in der gestiegenen Konkurrenz auf den lukrativen Langstreckenflügen und zum anderen bei den hohen Kosten. Die unselige Verknüpfung dieser beiden Tatbestände legte Franz gegenüber der ‚Süddeutschen Zeitung‘ dar: „Wir können heute nicht mehr defizitäre Verbindungen mit profitablen Langstrecken quersubventionieren. Unser Europageschäft muss sich also aus sich heraus rechnen. Dort aber machen uns die Billigfluggesellschaften harte Konkurrenz."

Also will Franz die Billigflieger mit ihren eigenen Waffen schlagen und sich den ein oder einen Spartrick der Konkurrenz abschauen. So sollen künftig mehr Sitze in ein Flugzeug gebaut werden, die wiederum schmaler sein werden, um den Kunden trotzdem noch Beinfreiheit und damit Komfort zu bieten. Als Ziel hat Franz ausgegeben, die Stückkosten, d.  h. die Kosten, die ein Passagier pro Kilometer Flug verursacht, um 40 Prozent senken zu wollen.

Trotzdem soll es bei der Lufthansa auch zukünftig kostenlos Essen und Getränke geben. Aus seiner Zeit bei Swiss International Air Lines hat Franz gelernt, dass diese bei Billiganbietern sehr beliebte Möglichkeit der Umsatzsteigerung „bei einer Premiummarke nicht funktioniert", wie er gegenüber WELT ONLINE bekannte. Allerdings wird das umfangreiche Angebot von bis zu sechs Servicestufen, vom Snack bis zum vollen Abendessen, auf den Prüfstand gestellt. Denn es macht die Flugplanung kompliziert und teuer.

Eine Erhöhung der Ticketpreise kommt für die Lufthansa hingegen nicht in Frage. Eher werden die Tickets günstiger werden, denn nur so können die Flieger gefüllt werden. „Wir müssen durch günstige Preise zusätzliche Märkte schaffen", erläuterte Franz gegenüber der ‚Süddeutschen Zeitung‘.

Eine Übertragung von weiteren Strecken auf die ‚No frills‘-Tochter Germanwings lehnt Franz hingegen ab, denn „letztlich würden wir mit so einem Schritt ja eingestehen, dass Lufthansa das selbst nicht hinbekommt. Germanwings sollte selbst entscheiden, wo sie fliegen wollen. Wenn wir denen von oben herab aus dem Konzern anordnen würden, dieses oder jenes zu tun, wäre das das sichere Ende der Erfolgsstory von Germanwings."

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Franz räumte gegenüber der ‚Süddeutschen Zeitung‘ ein, dass in der Vergangenheit Fehler gemacht wurden, hob aber gleichzeitig hervor, daraus die Konsequenzen gezogen zu haben:„Vielleicht haben wir die Brutalität des Wettbewerbs durch die Billig-Airlines unterschätzt, und da nehme ich mich selbst nicht aus. Wenn sich dadurch im Unternehmen eine gewisse Selbstzufriedenheit gehalten hat, dann ist das heute jedenfalls vorbei."

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