Wie Siemens-Vorstandschef Peter Löscher an vergangenen Samstag bekannt gegeben hat, will sich der Konzern in Zukunft stärker in der Solartechnik engagieren. Löscher wies Kritik an dem Millardenprojekt 'Desertec' zurück. Kritiker hatten bemängelt, dass der Bau von Solarthermie-Kraftwerken in der Wüste zu zeit- und kostenaufwändig sei.
Der 'Spiegel' hat am gestrigen Montag ein Interview mit dem Siemens-Vorstandsvorsitzenden anlässlich der Gründung eines Konsortiums für das Solarprojekt 'Desertec' veröffentlicht. Der Topmanager äußerte sich optimistisch zu Fragen der Energieplanung. Kritiker von 'Desertec' wies der Österreicher in die Schranken: Bereits 1874 hätte Siemens Transatlantikkabel für Telefonverbindungen gelegt. "Dieses Mammutprojekt wurde als so ambitioniert angesehen wie heute Desertec", schildert der 51-Jährige die Vorreiterrolle von Siemens.
Siemens soll sich bei 'Desertec' nach Löschers Angaben um die Energieumwandlung kümmern. Dazu gehöre auch die Herausforderung, eine funktionierende Verbindung von den Solarkraftwerken in Afrika bis zum europäischen Endverbraucher aufzubauen. Der Siemens-Vorstandsvorsitzende zeigte sich jedoch zuversichtlich und verwies auf die bereits erfolgreiche Verbindung zwischen Tasmanien und Australien sowie die geplante Verkabelung von Mallorca mit Spanien. Solche Verknüpfungen seien "sowohl technologisch effizient als auch ökonomisch", beschrieb Löscher sein Vorhaben. Momentan produziert Siemens zu 90 Prozent Windenergie, will sich aber auf dem Gebiet der Solartechnik stärker einbringen.
Kritische Stimmen schlagen Siemens und seinen Mitstreitern aus der Politik entgegen. Der SPD-Abgeordnete Hermann Scheer äußerte sich im Interview gegenüber 'Spiegel Online' kritisch zu dem geplanten Solarthermie-Kraftwerk: "Desertec ist eine Fata Morgana." Das Projekt sei zu teuer, die Risiken, wie beispielsweise mögliche Schäden durch Wüstenstürme, seien nicht kalkulierbar. Die Gründer des Konsortiums ließen am gestrigen Montag offen, wie hoch die Kosten im Einzelnen ausfallen würden und wer sie tragen müsse. Auch die Koordination zwischen den Beteiligten ist noch nicht klar. Die Regierung zog ihr Angebot, 'Desertec' finanziell zu unterstützen, wieder zurück.
Zwölf Großkonzerne, neben Siemens auch RWE, E.on, die Münchener Rück-Versicherung, die Deutsche Bank und viele mehr, haben sich am gestrigen Montag zu einem Konsortium zusammengeschlossen. Das sogenannte Desertec-Konzept sieht den Bau von Solarthermie-Kraftwerken in der afrikanischen Sahara vor, die zunächst die dort ansässige Bevölkerung, in zehn bis fünfzehn Jahren aber auch Europa mit Strom versorgen sollen.
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Die technischen Gesichtspunkte von Solarthermie-Kraftwerken sind vom Grundprinzip her simpel: Parabolrinnen bündeln das Sonnenlicht und erhitzen damit Wasser oder Öl, das wiederum für den Antrieb von Turbinen sorgt. Schlussendlich lässt sich somit aus Sonnenenergie Strom gewinnen. Das Desertec-Projekt geht auf eine Initiative des 'Club of Rome', eines jordanischen Energieforschungszentrums und eines deutschen Klimaschutz-Fonds aus dem Jahr 2003 zurück. (nhe)