Die angeschlagene, schwedische Ford-Tochter Volvo wird wahrscheinlich an den chinesischen Autobauer Geely verkauft. Nach einem offiziellen Kaufangebot der Chinesen, bestätigte ein Ford-Sprecher am vergangenen Dienstag, Geely sei "bevorzugter Bieter".
Nach monatelangen Spekulationen scheint der Verkauf von Volvo voranzugehen. Am Firmensitz in Dearborn erklärte ein Ford-Sprecher, dass eine endgültige Entscheidung noch nicht gefallen sei. Einen konkreten Preis oder Zeitpunkt des Vertragsabschlusses nannte er ebenfalls nicht. Klar sei allerdings, dass Ford keine Volvo-Anteile nach dem Verkauf behalten wolle, so der Sprecher. Der derzeitige Chef bei Volvo, Stephen Odell, erklärte zur Ford-Entscheidung: "Wir begrüßen das als positiven Schritt nach vorn."
"Geely besitzt das Potenzial, ein verantwortungsvoller künftiger Besitzer von Volvo zu sein", begründete Fords-Finanzchef Lewis Booth die Entscheidung, wahrscheinlich an die Chinesen zu verkaufen. Der neue Eigner könne das Unternehmen weiterbringen und gleichzeitig dessen Unabhängigkeit als schwedische Marke bewahren, so der Finanzchef. Auch er möchte keinen Verkaufszeitpunkt nennen: "Wir haben keine bestimmte Frist für den Abschluss der Gespräche."
Anders Fogel, Repräsentant von Geely in Schweden, versuchte die aufgebrachten Gewerkschaften zu beruhigen, die Geely außerhalb Chinas für kaum aktiv und technologisch wenig profiliert halten: "Geely wird Volvo als ein sehr selbstständiges Unternehmen führen." Der Unternehmenssitz von Volvo solle in Göteborg bleiben. Die Finanzierung sei gesichert, so der Repräsentant, denn Geely habe staatliche Bankgarantien. Er erwähnte, dass ein Fond in Höhe von 221 Millionen Euro, der von der Investmentbank Goldman Sachs geführt wird, in der vergangenen Woche bei Geely einstieg.
Dennoch befürchten Zulieferer des Autobauer, dass die Chinesen die neueste Technik kopieren könnten. "Für die Zulieferer bedeutet eine Volvo-Übernahme durch Geely ein Risiko und eine Chance zugleich", so Svenåke Berglie, Chef des Zulieferers Fordonskomponentgruppen.
1999 übernahm Ford den angeschlagenen Autobauer Volvo für rund 4,4 Milliarden Euro. Nachdem sich der schwedische Autokonzern etwas erholt hatte, schrieb er in den vergangenen Jahren wieder rote Zahlen in Höhe von 1,1 Milliarden Euro. Im Dezember 2008 kündigte Ford an, Volvo verkaufen zu wollen. Bisher löste sich Ford von den Marken Aston Martin, Jaguar sowie Land Rover. Analysten schätzten Volvo auf zwei Milliarden Euro. Medienberichte spekulierten allerdings über einen Verkaufspreis von 1,4 Milliarden Euro.
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Auch das schwedische Konsortium Jakob sowie das amerikanische Konsortium Crown bekundeten Interesse an Volvo. Jakob kündigte trotz der Ford-Entscheidung an, für Volvo einen Verkaufspreis vorlegen zu wollen. Allerdings erwarten Experten für den kommenden Montag die Bekanntgabe des Verkaufs an Geely. An diesem Tag wird Ford seine Zwischenbilanz für das dritte Quartal vorlegen.