Wie das Politmagazin 'report München' am Montag in der ARD aufgedeckt hat, wirtschaften Apotheker teilweise im großen Stil in die eigene Tasche. Sie bedienen sich dabei eines Tricks bei der Stückelung: Die Verkäufer kaufen die für sie billigeren Kleinpackungen bei Konzernen ein und geben diese statt der Großpackungen zum regulären Verkaufspreis an die Patienten ab. Die Differenz zwischen dem Preis einer Großpackung und mehrerer Kleinpackungen stecken die Apotheker in die eigene Tasche.
Bei dieser Praxis handele es sich um Milliardenbetrug, wirft 'report München' den Apotheken vor. Von "vorsätzlicher Täuschung" spricht Gerd Glaeske, Professor für Sozialpolitik an der Uni Bremen und Sachverständiger der Regierung. "Ich halte das für Betrug", äußerte sich der Wissenschaftler in der Sendung. Demnach wäre das Vorgehen der Apotheker illegal und strafbar.
Apotheker argumentieren jedoch, dass sie lediglich einen Einkaufsvorteil nutzen: Der Einkaufspreis einer Großpackung lieg im Verhältnis niedriger als der von mehreren kleinen Packungen. Beim Verkaufspreis, den Krankenkassen oder Patienten zahlen müssen, ist es umgekehrt. Indem sie die billigeren Kleinpackungen kauften, also die Ausgaben für den Einkauf bei den Pharmakonzernen minimierten, würden Patient und Kasse nicht geschädigt, die in jedem Fall nur den für sie billigeren Preis der Großpackung zahlten, so die Rechtfertigung.
Die Journalisten zeigen am Beispiel von Omeprazol, ein Mittel gegen Magen- und Darmgeschwüre, auf, wie der Trick funktioniert: Apotheker verkaufen statt einer teuren Großpackung à hundert oder sechzig Stück lieber kleinere Portionen zu je fünfzehn oder dreißig Tabletten, die im Einkauf im Verhältnis weniger kosten. Bei der Abrechnung mit der Krankenkasse geben die Pharmazeuten dennoch die Großpackung an. So lässt sich ein Gewinn erwirtschaften, der um mehrere 100% über dem liegt, der sich ergäbe, wenn die Apotheken Großpackungen einkauften.
Durch 'report München' informiert, nahmen Ermittler der Krankenkasse 'KKH-Allianz' die Spur auf und testeten selbst. Ergebnis: Sechs von zehn Patienten erhielten bei Arzneikäufen gestückelte Packungen. Die Praxis ist offenbar weit verbreitet. Eine häufig eingesetzte Verkaufssoftware gibt sogar Anleitungen zur Stückelung und berechnet die mögliche Gewinnspanne, die sich erwirtschaften lässt.
Nach Aussagen von 'report München' rechneten deutsche Apotheken innerhalb eines Jahres 2 Millionen mehr Großpackungen ab, als sie eingekauft hatten. Bei den Kleinpackungen verhält es sich umgekehrt: Apotheker kauften fünf Millionen Kleinpackungen mehr ein, als sie abrechneten. Der Schaden beliefe sich demnach allein für Omeprazol auf etwa 20 Millionen Euro, so ein von den Reportern hinzugezogener "Brancheninsider".
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Die Journalisten des ARD-Magazins 'report München' kamen den Apothekern durch Testkäufe auf die Schliche. Thomas Bellartz vom Deutschen Apothekerverband (DAV), äußerte sich in der Sendung zu den Vorwürfen: "Natürlich gibt es Stückelung." Das sei rechtens und gängige Praxis. Jedoch, "da, wo Stückelung deswegen vollzogen wird, um einen möglichen Gewinn zu generieren, da ist sie falsch und fehlgeleitet und muss nicht nur korrigiert, sondern gegebenenfalls auch geahndet werden." Der DAV will den Vorwürfen nachgehen und sie aufklären.
Harry (10.07.2009 08:12)Ehrliche Apotheker verdienten 6 Euro, andere das Doppelte und mehr
Die oben angeprangerte Abrechnungspraxis stellt für mich klar Betrug dar, betroffene Apotheker haben sich rechtswidrige finanzielle Vorteile erschlichen. Wenn sie wirklich gewollt hätten, hätten sie die Einkaufsvorteile an ihre Kunden bzw. Krankenkassen weitergeben können. Es gibt keine Rechtsnorm, die dieses verboten hätte; alles wäre im Einklang mit der Arzneimittelpreisverordnung gewesen. Stattdessen haben etliche Apotheker ganz, ganz still, das 2- oder mehrfache eingesteckt, was sie nach dem Willen des Staates hätten angemessen verdienen sollen (ca. 6 - 10 Euro pro Omeprazol-Abgabe).