Frankreichs Energieerzeuger EDF und der italienische Stromversorgungskonzern Enel haben sich am gestrigen Dienstag darauf geeinigt, gemeinsam in Italien vier Kernkraftwerke zu bauen. Dabei handelt es sich um eine politische Kehrtwende. Die Atomenergie war im Stiefelstaat Tabu, seit 1987 die Wähler in einem Referendum unter dem Eindruck der Tsechernobyl-Katastrophe ihr den Rücken zugekehrt hatten.
EDF-Konzernchef Pierre Gadonneix und Enel-Vorstandsvorsitzender Fulvio Conti haben das entsprechende Abkommen am gestrigen Dienstag in Gegenwart des französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy und des italienischen Premierministers Silvio Berlusconi in Rom unterzeichnet. Sarkozy und Berlusconi unterschrieben darüber hinaus ihrerseits eine Vereinbarung zur yivilen Zusammenarbeit der beiden EU-Staaten in Sachen Kernenergie.
Die Übereinkunft setzt einen weiteren Meilenstein bei der Eroberung italienischer Märkte seitens französischer Großkonzerne. Im Januar hatte bereits die Fluggesellschaft Air France-KLM einen Anteil von 25 Prozent an der neu gegründeten Alitalia erworben. Zuvor hatte sich im vergangenen Oktober bereits die französische Eisenbahngesellschaft SNCF 20 Prozent an dem Hochgeschwindigkeitskonsortium NTV gesichert.
Italiens Industriellenverband Confindustria pries die Vereinbarung als historische Weichenstellung, warnte aber davor, dass Vor-Ort-Widerstand gegen den Kraftwerkbau ein enormes Hindernis bei der Verwirklichung des Vorhabens sein könnte. Enel und EDF wollen die erste Anlage im Jahr 2020 in Betrieb nehmen.
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Neben der Berlusconi-Regierung in Rom haben in den vergangenen Monaten weltweit bereits zahlreiche Regierungen die Weichen in Richtung Kernenergie gestellt, wodurch es zu einer veritablen Atom-Renaissance gekommen ist. Fraglich ist mittlerweile sogar, ob die relevanten Anlagenbauer der rasant ansteigenden Nachfrage überhaupt gerecht werden können.