Am gestrigen Montag haben sich auf dem Welternährungsgipfel der Vereinten Nationen (UN) in Rom rund 60 Staats- und Regierungschefs getroffen, um über den Kampf gegen den Hunger in der Welt zu sprechen und mögliche Lösungen zu diskutieren. Die acht führenden Industriestaaten hatten allerdings bis auf Italien, dem Gastgeber des Gipfels, keinen Staats- oder Regierungschef entsendet.
Ministerpräsident Silvio Berlusconi war damit der einzige westliche Top-Politiker auf dem Gipfel, seine Anwesenheit ermöglichte es ihm nämlich, einem Strafverfahren in Mailand fernzublieben. Deutschland wurde hingegen von Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) repräsentiert.
Die Zahl der hungernden Menschen hat auch infolge der globalen Rezession gegenüber dem Vorjahr um 100 Millionen zugenommen. Mittlerweile leiden weltweit über eine Milliarde Menschen auf der Erde Hunger, das ist jeder sechste - eine Zahl, die UN-Generalsekretär Ban Ki Moon als "inakzeptabel" bezeichnete. Nach Angaben der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) stirbt alle sechs Sekunden ein Kind an Unterernährung.
Der Generaldirektor der FAO, Jacques Diouf, war am Wochenende aus Solidarität mit den Hungernden in einen 24-stündigen Hungerstreik getreten - eine Idee, der sich Ban anschloss. "Wir hoffen, dass diese Geste - zusammen mit weiteren - hilft, unser Ziel zu erreichen", gab Diouf bekannt. "Es sollen weniger Menschen Hunger leiden, und nicht länger das grundlegendste Menschenrecht verwehrt bekommen - das Recht auf Nahrung, das das Recht ist, zu leben, und das Recht auf biologische Unversehrtheit."
Auch Aigner machte sich für ein weltweites Recht auf Nahrung stark. Sie erklärte gegenüber der 'Frankfurter Rundschau' vor ihrem Start nach Rom, die Sicherung der Welternährung sei neben dem Klimawandel die größte globale Herausforderung unserer Zeit: "Ein Erfolg des Welternährungsgipfels ist damit genauso wichtig wie eine Einigung in Kopenhagen." Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel (FDP) ließ sich von seiner parlamentarischen Staatssekretärin Gudrun Kopp vertreten.
Papst Benedikt XVI. hatte den Gipfel mit einer Rede eröffnet und darin Agrarsubventionen scharf kritisiert, da sie den Markt zulasten der armen Länder verzerrten, sowie Spekulationen auf Getreide erzeugten. "Es ist notwendig, den Egoismus zu bekämpfen, der es ermöglicht hat, dass Spekulantentum sogar auf dem Getreidemarkt herrscht und Nahrungsmittel auf eine Ebene mit anderen Waren stellt", forderte der Papst und mahnte: "Es ist unmöglich, weiterhin den Überfluss und die Verschwendung zu akzeptieren, während das Hunger-Drama immer größere Ausmaße annimmt."
Das Millenniumsziel der internationalen Gemeinschaft, bis 2015 die Zahl der Hungernden auf der Welt halbiert zu haben, ist seither in weite Ferne gerückt. Den Schlüssel in der Verbesserung der Lage sieht Diouf, Generaldirektor der FAO, in der Hilfe zur Selbsthilfe, in einer stärkeren Investition in die Landwirtschaft und dabei vor allem in der Unterstützung von Kleinbauern. Dabei ginge es nicht um Großprojekte, sondern um das Auffangen von Regenwasser und dem Ausbau von Möglichkeiten zum Transport und Lagern von Nahrungsmitteln. Laut Fao gehen nämlich zwischen 40 und 60 Prozent der Ernte wegen mangelhafter Lagerung verloren.
Diese Vernachlässigung von Investitionen in die Landwirtschaft wird als eine der großen Ursachen für das globale Hungerdrama gesehen. 70 Prozent der Hungernden leben laut FAO in ländlichen Gegenden und von der Landwirtschaft. Daher ist es von entscheidender Bedeutung, dass gerade dort mehr Nahrungsmittel für den Eigenbedarf produziert werden.
Diouf rief die Gipfelteilnehmer dazu auf, 44 Milliarden Dollar statt der bisher üblichen jährlichen acht Milliarden in die Landwirtschaft der Entwicklungsländer zu investieren. Von der bereits getätigten Entwicklungshilfe werde allerdings zu wenig in die Landwirtschaft investiert.
Noch in den 80er Jahren flossen 17 Prozent der Entwicklungshilfe der OECD-Länder in die Landwirtschaft - heute ist es deutlich weniger, im Schnitt sind es nur noch vier Prozent. Anfangs wollten sich die Teilnehmer des Gipfels verpflichten, zu diesem hohen Anteil zurückzukehren - inzwischen spricht man nur noch davon "den Anteil zu steigern". Das ursprüngliche von den Vereinten Nationen geforderte Ziel, den Hunger bis 2025 endgültig zu besiegen, ist in dem Entwurf der Abschlusserklärung nicht einmal mehr aufgeführt.
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Gleichzeitig konnte die FAO aufzeigen, dass Hunger kein Schicksal ist, aus dem es kein Entrinnen gibt. So hätten 31 Mitgliedsländer ihre Situation entscheidend verbessert. Zwischen 1990 und 2006 sei es acht Ländern gelungen, sowohl die Zahl der Unterernährten als auch den Anteil der Hungernden an der Bevölkerung zu halbieren. In 31 anderen Ländern wiederum habe sich die Ernährungslage deutlich verschlechtert, dazu gehörten 20 Länder in Afrika und elf in Asien.