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17.01.2008EKLAT IN ROM

Italien bestürzt nach gescheitertem Benedikt-Besuch an Uni

Bereits seit Tagen dominieren die Studentenproteste gegen Il Papa die Titelseiten sämtlicher italienischer Tageszeitungen. Nach der Absage seiner Rede an der Universität La Sapienza schlägt dem Heiligen Vater nun eine Welle der Solidarität und des Verständnisses seitens der italienischen Öffentlichkeit entgegen. Politiker und Intellektuelle äußern ihre Bestürzung und Sorge um den Zustand der Gesellschaft nach dem Eklat.

Am heutigen Donnerstag hätte Papst Benedikt XVI. nachträglich das 705. akademische Jahr an der Universität „La Sapienza" in Rom mit einer Vorlesung eröffnen sollen. Heftige Proteste seitens organisierter Studierender und einiger Professoren der Sapienza führten zur Absage der Veranstaltung.

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Ursprünglich waren die Eröffnungsrede des Papstes und die anschließende geplante Diskussion über die Todesstrafe bereits zu Beginn des italienischen akademischen Jahres im vergangenen November angesetzt. Rektor Renato Guarini lud den Heiligen Vater ein, um anschließend mit ihm über die Todesstrafe zu diskutieren.

Nachdem der bekannte und mittlerweilen emeritierte Physik-Professor Marcello Cini (84) im Herbst durch Proteste eine Terminverschiebung erreicht hatte, vereitelten die Protestierenden um den kämpferischen Cini den Papstbesuch an Europas größter und Roms ältester Universität nun komplett.

Seit Tagen hagelte es Proteste seitens meist linksorientierter Studenten, die den Oberhirten der Christenheit nicht an ihrer Universität sehen wollen. Die Studenten demonstrierten mit Bannern und Pappmasken vor der Hochschule und drohten unter anderem damit, eine Statue der Minerva als schrillen Transvestiten zu verkleiden. Außer einer „antiklerikalen Woche" war geplant, die Rede des Papstes mit lauter Rockmusik und einem Pfeifkonzert zu übertönen. Das sei das mindeste, was den Heiligen Vater erwarte, war zu hören.

67 der insgesamt 4.500 Lehrenden der Sapienza haben sich den Protesten angeschlossen und ein Manifest unterzeichnet, dass den Papst zum Fernbleiben auffordert. Der Rektor der Sapienza stellte sich gegen die Proteste: „Der Papst wird eine Rede zum Thema Todesstrafe halten. Er ist ein Mensch großer Kultur". Die Universität müsse für solche Diskussionen einen Raum bieten

Stein des Anstoßes war eine Rede des Papstes aus seiner Zeit als Kurienkardinal im Jahre 1990. Darin war er auf den Ketzerprozess gegen Galileo Galilei eingegangen. Nach Auffassung der Protestierenden habe Ratzinger das Vorgehen der Inquisition gegen den Universalgelehrten in seiner Rede als „vernünftig und gerecht" verteidigt. Der Vatikan bestreitet dies und erklärte, es handle sich um ein missverstandenes Zitat. Ratzinger habe lediglich die Position des Philosophen Feyerabend wiedergegeben.

Aufgrund der „bekannte Ereignisse der letzten Tage" ließ das vatikanische Presseamt nun am  vergangenen Dienstag verlauten, der Papstbesuch sei abgesagt beziehungsweise auf unbestimmte Zeit verschoben. Kardinal-Staatssekretär Tarcisio Bertone teilte mit, die Absage sei erfolgt, um "jeden Vorwand für Kundgebungen auszuräumen, die sich für alle als unerfreulich herausgestellt hätten". Der Heilige Vater werde die Rede per Post schicken.

Während die Studenten in der Aula der Politikwissenschaftlichen Fakultät die Absage begeistert aufnahmen und als Sieg der Aufklärung und des Laizismus in Italien feierten, gibt sich die italienische Öffentlichkeit bestürzt. Ezio Mauro, Chefredakteur der linksliberalen Tageszeitung ‚Repubblica', roch Zensur, die eine demokratische Kultur nicht tolerieren dürfe, und sprach von einem schwarzen Tag für Italien, der noch Jahrzehnte in Erinnerung bleiben werde.

Der angesehene Mailänder „Corriere della Sera" schrieb von einer „Niederlage des Landes". Eine „Karikatur des Laizismus" habe an diesem Tag über den Geist der Universität gesiegt. Bei anderen hieß es, es sei eine „Schande" und „antiklerikale Lynchjustiz", dass der Papst sich nicht ungehindert in Italien bewegen und nicht an der Universität reden könne, die einer seiner Vorgänger gegründet hatte.

Die Angriffe von laizistischer Seite seien intolerant und "nicht akzeptabel", erklärte der postkommunistische Staatspräsident Giorgio Napolitano in einem Brief an den Vatikan. Kardinal Camillo Ruini rief die Römer für Sonntag zu einer Solidaritätsbekundung für Benedikt XVI. auf. Ministerpräsident Romani Prodi sagte: „Keine Stimme darf in unserem Land schweigen, und erst recht nicht die des Papstes." Einige Kritiker legten der Sapienza nahe, sich in Zukunft „Ignoranza" zu nennen. (rkr)

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