Dem ukrainischen Präsidenten Viktor Juschtschenko zufolge ist die Schweinegrippe in seinem Land mittlerweile zu einer Bedrohung der nationalen Sicherheit avanciert. Ganze Landstriche stehen seit Freitag unter Quarantäne, Anti-Grippe-Mittel und Atemschutzmasken werden inzwischen knapp. Nun soll die internationale Gemeinschaft der Ukraine bei der Bekämpfung der grassierenden Pandemie Hilfe leisten.
Der ukrainische Präsident Viktor Juschtschenko bat am Freitag in einer eilig einberufenen Pressekonferenz in Kiew um die Hilfe der internationalen Gemeinschaft, vor allem der Europäischen Union und der USA, um die sich rasant ausbreitende Schweinegrippe-Epidemie in seinem Land einzudämmen. Die Ukraine ist laut Juschtschenko nicht in der Lage, das Problem allein zu lösen. Der Staatschef bat unter anderen um zusätzliche Medizinlieferungen.
Als weitere Maßnahme zur Bekämpfung der Influenza A/H1N1 in der Ukraine ordnete der Präsident an, Militärspitäler auf die Aufnahme von Infizierten vorzubereiten, und veranlasste eine erhöhte Produktion von Schutzmasken. Darüber hinaus drohte die Regierung, Apotheken die Lizenz zu entziehen, wenn diese die Preise für Grippemittel erhöhen. Medienmeldungen zufolge werden Grippemedikamente bereits für mehr als das Zehnfache des Marktpreises angeboten. Dennoch sind die Apotheken aufgrund vieler Panikkäufe in den letzten Tagen leer gekauft. Nach Medienangaben sind in vielen Städten weder Anti-Grippe-Mittel noch Atemschutzmasken mehr zu haben.
Angesichts der schweren Schweinegrippe-Epidemie kündigte die Ministerpräsidentin und Präsidentschaftskandidatin Julia Timoschenko am Freitag die Schließung aller ukraininschen Schulen in der Ukraine für die nächsten drei Wochen an. Zudem wurden alle öffentlichen Veranstaltungen wie Konzerte und Kinovorführen verboten. Timoschenko forderte am Samstag in einer offiziellen Ansprache die Bürger zur Benutzung von Atemmasken in allen Lebensbereichen auf.
"Setzen Sie in öffentlichen Verkehrsmitteln, bei der Arbeit und zu Hause Masken auf", appellierte die besorgte Regierungschefin an die Bevölkerung. "Wenn Sie für sich selbst, ihre Kinder, Nachbarn und Freunde Masken nähen können, ist das für das Land eine sehr große Hilfe", fügte Timoschenko hinzu. Dennoch versuchte die Präsidentschaftskandidatin die Bürger zu beruhigen und versicherte dabei, dass die von der Regierung getroffenen Sicherheitsmaßnahmen strenger als nötog seien. "Es ist eine gefährliche, lebensbedrohliche Krankheit, aber sie sollten nicht in Panik verfallen", so Timoschenko.
Regierungsangaben zufolge hat eine Delegation der Weltgesundheitsorganisation WHO am heutigen Montag ihre Arbeit in der ehemaligen Sowjetrepublik aufgenommen. Des Weiteren stellte die Slowakei bereits 200.000 Atemschutzmasken zur Verfügung. Auch bestellte die ukrainische Regierung in der Schweiz bereits 16 Tonnen des Grippemedikaments Tamiflu.
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Nach offiziellen Angaben sind in der Ukraine an der Schweinegrippe mehr als 190.000 Menschen erkrankt. Allein im Gebiet Lwiw im Westen des Landes sollen mehr als 70.000 Menschen infiziert sein. Presseberichten zufolge starben bereits mehr als 50 Menschen an der Viruserkrankung, bisher wurden jedoch nur vier Todesfälle offiziell bestätigt. Beobachter mahnen derweil zur Vorsicht beim Umgang mit den in den Medien kursierenden Todeszahlen. Die Kandidaten bei der bevorstehenden Präsidentschaftswahl könnten schließlich Panikmacherei als politisches Mittel einsetzen, um bei der Bevölkerung zu punkten.