Der FC Bayern München hat am gestrigen Dienstagabend in einer äußerst mäßigen Partie gegen Inter Mailand mit 0:1verloren. Der italienische Meister gewann somit die zweite Auflage des Franz-Beckenbauer-Cups. Das Tor das Abends erzielte der Brasilianer Amantino Mancini in der 52. Spielminute.
Das Spiel schien für die Bayern von vornherein unter keinem guten Stern zu stehen. Bereits im letzten Jahr verloren die Münchner in der Premiere des Franz-Beckenbauer-Cups in einer ähnlichen müden Partie mit 0:1 gegen den FC Barcelona. Außerdem hatte Trainer Jürgen Klinsmann zahlreiche prominente Ausfälle wie Willy Sagnol, Luca Toni, Tim Borowski oder Bastian Schweinsteiger zu beklagen. Dem neuen Inter-Trainer Jose Mourinho ging es in dieser Hinsicht jedoch nicht besser: Der Portugiese musste unter anderem auf Stars wie Christian Chivu, Patrick Viera, Marco Materazzi und Zlatan Ibrahimovic verzichten.
Bayern-Coach Jürgen Klinsmann erprobte gestern abermals eine 3-5-2-Formation mit Lucio, Martin Demichelis und Daniel van Buyten in der Innenverteidigung. Philipp Lahm und Christian Lell sollten dabei als Außenspieler fungieren und je nach Spielsituation die Dreierkette in eine Fünferkette transformieren oder sich in den Angriff einschalten. Dieses Experiment musste Klinsmann jedoch nach 21 Spielminuten abbrechen, als sich Demichelis verletzte und ausgewechselt werden musste. Für ihn kam das 18-jährige Mittelfeld-Talent Toni Kroos in die Partie, und die Bayern stellten auf ein 4-4-2 -Spielsystem um.
Kroos schaffte es zwar, einige spielerische Akzente zu setzen, aber am Leitmotiv des Spiels konnte auch er nichts ändern: Bayern konnte nicht, Inter wollte nicht. Jose Mourinho hatte den Italienern eine äußerst defensive Grundausrichtung mit dem Brasilianer Adriano als einziger Spitze verordnet, und der deutsche Meister fand kein Mittel, um dieses Abwehrbollwerk zu knacken. Sämtliche Chancen der Münchner ergaben sich aus Distanzschüssen. Hamit Altintop vergab nach einem Querpass von Toni Kroos die beste Gelegenheit der Roten, als sein Distanzschuss in der 23. Minute knapp am linken unteren Eck vorbeizischte. Die Mailänder beschränkten sich auf die Defensive und weigerten sich sogar bei Kontern, ein schnelles Kombinationsspiel aufzuziehen. Die einzigen nennenswerten Chancen der Blau-Schwarzen hatten Adriano in der 18. sowie Amantino Mancini in der 33. Spielminute, beide Male ebenfalls durch Distanzversuche.
Nach der Pause war es jedoch in der 52. Minute plötzlich passiert: Der mittlerweile 35-jährige Luis Figo unterbrach kurz seinen 90-minütigen Trab, um einen Steilpass auf Mancini zu spielen. Die in diesem Moment indisponiert wirkende Bayern-Abwehr hatte den brasilianischen Neuzugang vom AS Rom aus den Augen verloren, und der 28-Jährige hatte keine Mühe, den Ball über den herauseilenden Torhüter Michael Rensing zum 0:1 ins Netz zu heben.
In der Folge bemühten sich die Bayern noch eifriger, aber etwas Zählbares sprang dabei nicht heraus. Inter Mailand wiederum beschränkte sich nach diesem kurzen Ausflug in die gegnerische Hälfte wieder auf das äußerst humorlose Verriegeln des eigenen Strafraums. Die Italiener wurden nur noch einmal gefährlich, als Adriano in der 63. Minute knapp eine Hereingabe des ghanaischen Neuzugangs Sulley Muntari verpasste. Klinsmann wechselte noch Marcell Jansen, Andreas Ottl und Sturmtalent Thomas Müller ein, doch Toni Kroos blieb der einzige Bayern-Akteur, der im Offensivspiel der Münchner Akzente setzen konnte. Der 18-Jährige vergab in der 70. und 80. Minute auch die beiden besten Chancen der Gastgeber in der zweiten Halbzeit. Doch Inter-Ersatztorhüter Francesco Toldo, der den ebenfalls verletzten Stammkeeper Julio Cesar vertrat, konnte beide Distanzschüsse am linken Pfosten vorbeilenken.
Somit endete eine Partie, die an sich keinen Sieger verdient gehabt hätte, und das Team von Jose Mourinho durfte den 1,15 Meter großen Pokal mit nach Mailand nehmen. Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann zeigte sich trotzdem nicht ganz unzufrieden: „Wir sind körperlich noch nicht in der Lage, dass wir Pressing spielen und sie komplett unter Druck setzen. Die Leistung geht in Ordnung, das Resultat natürlich nicht", kommentierte der Schwabe nach Spielende. Manager Uli Hoeneß beklagte die defensive Ausrichtung des Gegners: „Wir haben gegen eine sehr ausgefuchste Mannschaft gespielt, mit einem sehr cleveren Trainer, der hier mit zehn Abwehrspielern und einem Stürmer gespielt hat – da wird es dann natürlich schwer, wenn die in Führung gehen", meinte der 56-Jährige.
Vier Tage vor dem Saisonauftakt im DFB-Pokal beim Drittligisten Rot-Weiß Erfurt präsentierten sich die Bayern in keiner guten Verfassung und müssen auf eine verkorkste Vorbereitung zurückblicken. Nur beim 4:2-Sieg gegen den japanischen Klub Urawa Red Diamonds konnten die Münchner eine überzeugende Leistung abrufen. Jürgen Klinsmann wird noch etwas Zeit benötigen, bis das Spiel der Mannschaft seine Handschrift trägt. Wie in der letzten Saison scheint das Team zu sehr abhängig zu sein von den Ideen eines Franck Ribery und der Kaltschnäuzigkeit eines Luca Toni, die momentan beide verletzt fehlen.
Dadurch steht auch die zurückhaltende Transferpolitik der Roten in der Kritik: Außer Tim Borowski und Ersatztorhüter Hans-Jörg Butt haben die Bayern nur noch Keeper Thomas Kraft aus der eigenen Amateurmannschaft verpflichtet. Zwar bekundeten die Münchner durchaus Interesse an dem ein oder anderen Star, aber Spieler wie Mario Gomez, Gennaro Gattuso, Aliaksandr Hleb oder Mathieu Flamini ließen sich nicht an die Isar locken - auch, weil der deutsche Meister diesmal nicht so sehr an die finanzielle Grenze gehen wollte wie noch im vergangenen Jahr. Dort gab der Klub 79 Millionen Euro für neue Spieler aus und bot bei den Verhandlungen um Luca Toni und Franck Ribery mehr Gehalt als andere europäische Spitzenklubs