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07.04.2008 Germany's Next Topmodel: Nutzt Heidi Klum die Models nur aus?

Pro Sieben macht Kasse

Die erfolgreiche Show 'Germany's Next Topmodel' kommt unter Beschuss. Der 'Bild'-Zeitung zufolge nutzen die Showmacher ihre Kandidatinnen nach Strich und Faden aus. Demnach müssen die Mädchen im ersten Jahr bis zu 40 Prozent ihrer Gage an ProSieben und die Modelagentur 'Face your Brand' abgeben. PR-Auftritte für ProSieben sind selbstverständlich gratis. Heidis Vater und Manager Günther Klum verteidigt allerdings die Verträge, und bezeichnet die Regeln als ganz normale Bedingungen.

Mit dem durch 'Germany`s Next Topmodel' verdienten Showgeld und hohen Einschaltquoten kommt ProSieben offensichtlich nicht über die Runden. Damit die finanzielle Zukunft des privaten TV-Senders gesichert ist, mussten die jungen, unerfahrenen Kandidatinnen vor der Show mehrere Verträge abschließen. Zwei dieser geheimen Verträge liegen der 'Bild'-Zeitung vor. Diesen Knebelverträgen zufolge verpflichten sich die jungen Models im ersten Jahr, 20 Prozent an ProSieben und weitere 20 Prozent an die zu dem Sender gehörende Modelagentur 'Face your Brand' abzugeben. Auch im zweiten und dritten Jahr müssen die Models gehörig in die eigene Tasche greifen: Zunächst 35 und anschließend 'nur noch' 30 Prozent fließen in den Folgejahren an ProSieben.

Der Knebelvertrag sieht außerdem vor, dass die Nachwuchsmodels PR-Termine für den Fernsehsender ProSieben kostenlos erledigen. Die Verträge können außerdem ohne Zustimmung der Mädchen verlängert werden. Darüber hinaus darf der TV-Sender die Rechte an die Firma Heidi Klum GmbH & Co. weiterreichen, und das ohne Zustimmung der Models. Der Medienrechtler und Fachanwalt für Arbeitsrecht, Dr. Thomas Schwirtzek, kritisierte die gängige Praxis in der `Bild`-Zeitung scharf: „Dass der Sender den Vertrag einseitig für zwei Jahre verlängern kann, ohne dass das Model gefragt wird, geht in den Bereich der Knebelung und ist ein tiefer Eingriff in das Grundrecht der Berufsausübungsfreiheit".

Der Geschäftsführer der Berliner Produktionsfirma 'Nowadays', Marcus Kurz, hält einen Satz von 40 Prozent für Deutschland zu hoch. Normalerweise sei der Maximalbetrag 25 oder 30 Prozent, „wenn es hoch kommt". Nur in Paris oder Mailand können die Sätze auf bis zu 50 Prozent steigen. Doch dort werden die regionalen Gagen von der Agentur von vornherein einbehalten. Die einzige Ausnahme der festgesetzten Sätze bilden berühmte Models. „Je bekannter ein Model wird, desto größer ist die Chance, die Sätze nach unten zu verhandeln", erklärte der erfahrene Organisator von Topdesignershows.

Klums Vater Günther verteidigte hingegen die Knebelverträge. „Ohne Heidis Show wären die Mädels nichts, das muss man mal klar sagen. Die verdienen dadurch eine Menge Geld", versicherte der geizige Manager. ProSieben-Sprecher Christoph Köfner ist ebenfalls überzeugt, dass die Knebelverträge als „klassische Künstlerverträge zu bezeichnen sind". Über detaillierte Inhalte wollte Köfner aber keine Auskunft geben.

Ob ProSieben mit diesen sogenannten 'Künstlerverträgen' die jungen Model gut behandelt, ist allerdings fraglich. Eine der Kandidatinnen vertraute der 'Bild'- Zeitung an, dass die Mädchen ständig von einem Mitarbeiter der Produktionsfirma überwacht werden. „Es herrscht ein strenger Ton", beklagte das geheime Opfer. Außerdem mussten die Mädchen beim Einzug ins Modelhaus ihre Handys abgeben. Der Kontakt zur wirklichen Welt bleibt damit für die nächsten Wochen weiter unterbunden.

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