Die internationalen Pressestimmen befassen sich auch am heutigen Montag mit den Folgen des WM-Viertelfinales Deutschland-Argentinien. Dem deutschen Fußball wird eine glorreiche Zukunft vorhergesagt.
Rundumerneuertes Deutschland: Die Pressestimmen von internationalem Rang preisen nach dem Sieg gegen Argentinien Joachim Löw und seine Leistung, die DFB-Elf neu erfunden zu haben.
Im WM-Viertelfinale hatte sein Team von Anfang an gegen die Kicker aus Südamerika das Spiel dominiert und inszenierte dank Thomas Müller, Miroslav Klose und Bastian Schweinsteiger eine Torgala, die in der Fußball-Geschichte bei einem dermaßen bedeutenden Match ihresgleichen sucht. Der Marktwert der deutschen Spieler steigt seither ins Unermessliche, insbesondere Mesut Özil scheint fern und nah enorme Begehrlichkeiten geweckt zu haben.
Am heutigen Montag leitet der Mailänder 'Corriere della Sera' die internationalen Pressestimmen mit einer Hommage an Fußball-Deutschland ein, indem er titelt: "Ein Deutschland, das gefällt. Es ist schön, konkret, und sein Fußball wird immer wichtiger. Löw hat ein Ambiente geschaffen und jene besiegt, die sich nur an der Vergangenheit, und nicht an der Zukunft orientieren wollten. Im Hintergrund gibt es allerdings auch eine Bundesliga, die sanierte Finanzen vorweisen kann."
Sport-Kolumnist Mario Sconcerti streicht die beiden Rahmenbedingungen heraus, die seiner Meinung nach Joachim Löw bei seiner Arbeit stark unterstützt haben: "Deutschland ist die erste moderne Nation, die ihre Zugewanderten en masse eingebürgert hat, im DFB-Team sind es 11 auf 23. Es ist aber auch das einzige Land, das gesunde Vereinskassen eingefordert hat. Der deutsche Fußball ist kaum verschuldet, deswegen spielen dort auch wenige internationale Stars. Die Vereine haben dafür in die Stadien investiert und haben sich mit ausländischen Spielern zweiten Ranges zufriedengegeben."
Dieses Konzept gehe nun auf: "Die deutschen Vereine haben zwar einige Jahre nur marginal eine Rolle gespielt, jetzt können sie aber in Zeiten der Krise mit dem Pfund ihres ökonomischen Gleichgewichts punkten." Und die Nationalmannschaft profitiere davon: "Deutschland befindet sich in einem Zustand kollektiver Euphorie. Und das nicht nur, weil das Team gewinnt: sondern weil die Spielweise Spass macht, und die Haltung der Spieler gefällt. Sie sind ergebnisorientiert wie immer, aber auch schön, vielleicht wie noch nie."
In Rom unterstreicht die Tageszeitung 'La Repubblica' hingegen, dass die europäischen Halbfinalisten Deutschland, Holland und Spanien auch einiges gemeinsam haben. Sie titelt: "Das andere Europa. Deutschland, Holland und Spanien machen Platz für die Jugend. Die drei verbliebenen europäischen Teams sind Ausdruck von Ligen, in denen schon seit jeher viel auf Jugendarbeit gesetzt wird. Und nicht nur auf Geschwätz."
Im Fließtext analysiert Kultkolumnist Gianni Mura dann: "Je mehr ich mir dieses Deutschland anschaue, desto besser gefällt es mir. Das heißt zwar nicht, dass es per se gewinnen wird - nein, wie Spanien sich aus dem paraguayanischen Sumpf befreit hat zeigt, dass man es fürchten muss. Als aber Schweinsteiger vier Gegner auf einmal austrickste, und Friedrich den Ball vor die Füße legte, musste ich plötzlich an das Holland von Johan Cruijff denken. Deutschland verkörpert einen totalen Fußball ohne Stars, bei dem alle alles können, und sogar Podolski munter mit verteidigt."
Die rosafarbene Zeitung 'Gazzetta dello Sport' titelt ihrerseits 'Phänomen Deutschland. Alle Geheimnisse der Generation Müller' und geht den Gründen für den deutschen Erfolg auf den Grund. Das Fazit lautet dabei: "Sie spielen zusammen, seit sie 15 sind, laufen viel und vergeben keine Chancen. Sie haben 13 Tore geschossen und kaum danebengehalten." Dennoch meint die norditalienische Zeitung auch eine Schwachstelle in Löws Team ausfindig gemacht zu haben: "Deutschland hat Schwierigkeiten mit Mannschaften gehabt, die drei zentrale Spieler im Mittelfeld aufstellen, wie Serbien und Ghana. Özil, Schweinsteiger und Khedira kamen so kaum ins Spiel."
Auf der anderen Seite des Großen Teichs befasst sich indessen unter den Pressestimmen sogar die altehrwürdige 'New York Times' mit dem deutschen Triumph gegen Argentinien und titelt: 'The New German Volk. Das multiethnische deutsche Team und seine Fans sind ein Ergebnis gelungener Vergangenheitsbewältigung." Redakteur Roger Cohen schreibt: "Ich habe noch nie ein solches deutsches Team gesehen. Die Mannschaft war in ihrem Willen, nie aufzugeben, immer schon formidabel. Aber ihr Ballkontakt ist so neuartig wie ihr Aussehen - das Abbild eines Deutschlands, das sich in der zweiten Hälfte der Neunziger neu definiert hat. Es ist nur angebracht, dass dieses Deutschland sich in der 'Regenbogen-Nation' von Nelson Mandela vor den Augen der Welt outet."
Franky (06.07.2010 08:48)Richtig
Das geht runter wie Öl......