Heute hat mich das Sekretariat des Kulturstadtrates der Stad Wien, Andreas Mailath-Pokorny, in die Einlaufstelle verbunden. Und das 2008 nach Christus. In einer globalisierten Welt finde ich dieses Vokabular wirklich antiquiert und mit Verlaub: grauslich. Igitt!
Denken die Zeitgenossen sich nichts dabei, wenn sie immer noch in postmonarchistischen Amtsreichsdeutsch daherreden müssen? Die Dame schien so jung wie ich zu sein, also meine Generation. Sehr bedenklich. Wir scheinen auf ein Generationsproblem par excellence zuzusteuern. Und das nicht erst seit gestern. Haben die Damen und Herren in der Departance der Einlaufstelle etwa den Weckruf überhört, oder ist es immer noch angenehm im Siebenschläferschlaf der Väter bis Urgroßväter vor sich hin zu sinnieren - im krisensicheren sozial gewerkschaftlichen Irrglauben, bis zur Rente. KIKERIKI - aber das hatten wir schon einmal.
Wussten Sie, beziehungsweise interessiert Sie, dass der Rechtspopulist Jörg Haider NICHT homosexuell war. Na dann vielleicht bisexuell? Was er auch immer war. Fakt ist, er war ein österreichischer Rechtspopulist, ein Volksseelen Reservehitler und Lebensmensch der sich alkoholisiert oder nicht schlichtweg in den Tod raste. Ich kann einfach nicht verstehen, wieso man diesen rastlos, rasenden Rechtspopulisten verkleidet als Lebensmenschen, oder umgekehrt, nicht endlich in Ruhe lassen kann. Karmakoma und Leilei.
Hätten doch, vor allem die Journalisten, ihm das alles zu Lebzeiten persönlich ins Gesicht gesagt. Viel an Aufarbeitung würde uns jetzt erspart bleiben. Auch bestimmte Kabarettisten erblicken sich da selbst in einem äußerst interessanten Parabolspiegel. Nach der physikalischen Synchronizität der Spiegelgesetzmethode helfen jetzt keinerlei Buchkompensationen. Aber Verleger für Vieles gibt es wie Lebensmenschen und Sand im Getriebe, oder am Meer.
Erinnert mich ein bisschen an die Zeit, als die Ösis Lebensgeister wie Hitler nach Deutschland outsourcten und glaubten, damit dann nichts mehr am geschichtlichen Lebenshut haben zu müssen. Daher stammt wahrscheinlich die Wiener Einlaufstellendramatik. Eine Art episches Theater. Doch Brecht war bekanntlich schlecht und Qualtinger ist tot. Sapperlott. Adventskompott.
Einer meiner Lieblingsmenschen, meine Freundin Hortense, teilte mir neulich beim Adventsdinner mit, dass sie plant, im nächsten Jahr ein Superstar zu werden. Ihr Supervisor hatte ihr dazu empfohlen ein Superstar-Ich im privaten, beruflichen und öffentlichen Kontext in sich zu entwickeln. Vom Super-Ich zum Du brauche ich Ihrem Alter-Ego nicht mitteilen, was mein Super-Es, und das des Kellners, an diesem Mega-Sonntag mitmachten. Bei soviel an Expressionismus war mir klar, dass ich das puristische Agieren im Hintergrund für mein Giga-Ich bevorzuge.
Langenscheidt sagt zum Thema Einlaufstelle, es sei ein Schalter für Eingänge aller Art. Langenscheidt scheint es sich ähnlich einfach zu machen wie Knigge, der in seinem jüngsten Werk tatsächlich behauptet, dass das Vortäuschen eines Orgasmus äußerst schlechtes Benehmen sei.
Es ist wie es ist. Mailand versinkt in Moonboots - und Mailath-Pokorny in Fiskalsprache.
WÖRTERBERG
Nur wer die Herkunft seiner Ängste verstanden hat, braucht im Leben nichts zu fürchten.
Petra Augustyn
augustyn@museum-tv.eu