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27.10.2009MULTITALENT MIT VERHANDLUNGSGESCHICK

Philipp Rösler: Shooting Star knöpft sich Gesundheitssystem vor - ein Porträt

Philipp Rösler ist designierter Bundesgesundheitsminister im Kabinett von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Das Amt gehört zu den schwierigsten der Republik. Der intelligente und rhetorisch begabte Arzt wird daher nun zeigen müssen, wie er mit den mächtigen Lobbyisten der Krankenkassen, der Pharmaindustrie, der Ärzteschaft sowie den Kritikern im Unionslager umgeht. Es gibt allerdings einige Indizien dafür, dass Rösler der richtige Mann für diese Mammutaufgabe ist.

Ursprünglich hatte Philipp Rösler seinen Platz in der niedersächsischen Landespolitik gesehen - vor allem auch im Hinblick auf seine junge Familie. Rösler ist mit einer Ärztin verheiratet. Das Paar hat die Zwillingsmädchen Grietje Marie und Gesche Helene, die am heutigen 28. Oktober ein Jahr alt werden. Seine Einstellung änderte sich allerdings schlagartig nach einem Telefonanruf von FDP-Chef Guido Westerwelle, der ihm am vergangenen Freitag kurzfristig das Amt des Bundesgesundheitsministers anbot.

In den vergangenen acht Monaten war der erst 36-jährige Rösler Wirtschaftsminister und stellvertretender Ministerpräsident von Niedersachsen. Der begabte Politiker war in seiner bislang kurzen Kariere oftmals der Jüngstein seinem Amt - ob als Generalsekretär seines Landesverbandes, als FDP-Fraktions- und Landesvorsitzender oder schließlich als Wirtschaftsminister. In der Partei gibt es mittlerweile dafür ein geflügeltes Wort: "Ein Rösler" - das sollen im Durchschnitt jene vier Jahre sein, die es ihn auf einem Posten hält, bevor es weiter aufwärts geht. Auch im jetzigen Kabinett findet sich Rösler in der Rolle des jüngsten Mitglieds wieder.

Nun also das Amt des Bundesgesundheitsministers. Rösler war bis 2003, als die FDP in den niedersächsischen Landtag gewählt wurde, praktizierender Stabsarzt bei der Bundeswehr. Dies bringt den Vorteil mit sich, dass er das Gesundheitssystem von innen kennt. Auch bei den Koalitionsverhandlungen mit der Union in Sachen Gesundheitspolitik hat Rösler sich bereits Respekt verschafft.

"Der Junge hat hart und unerbittlich verhandelt", berichtet ein Unionsmann aus der Arbeitsgruppe. Auch die Opposition erkennt klar die Akzente, die Rösler gesetzt hat. Der Koalitionsvertrag trägt in der Gesundheitspolitik "klar die Handschrift der Liberalen", so SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. Dabei waren Röslers Gegenspieler keine Geringeren als die machtbewusste CDU-Grande-Dame Ursula von der Leyen, die selbst gerne Gesundheitsministerin geworden wäre, sowie das CSU-Raubein Markus Söder.

Gleichzeitig hat Rösler den Zeitpunkt für den Ausstieg aus der Politik deutlich vor Augen. Mit 45 Jahren soll Schluss sein damit - darauf legte sich der Liberale im Jahr 2003, als die FDP den Einzug in den Landtag in Hannover schaffte, mit gerade einmal 30 Jahren fest. Diese für einen Politiker reichlich ungewöhnliche Aussage hat Rösler seitdem immer wieder bekräftigt. "Alles hat seine Zeit", bekräftigte der gläubige Katholik. Politiker und Schauspieler haben für ihn eines gemeinsam: Sie sollten gehen, "solange das Publikum noch klatscht".

Aber nicht nur Röslers Einstellung zu seiner Politikerkarriere ist ungewöhnlich. Auch die Biographie des jungen Shooting Stars bereichert das Kabinett der Bundeskanzlerin. Der in Vietnam geborene Rösler ist Deutschlands erster Bundesminister mit Migrationshintergrund. Er wurde 1973 in Vietnam geboren und im Alter von neun Monaten von einer deutschen Familie adoptiert.

Rösler wuchs in Hamburg, Bückeburg und Hannover auf. Als er vier Jahre alt war, trennten sich seine Eltern. Rösler blieb beim Vater, einem Berufssoldaten. 1992 trat er in die Bundeswehr ein, wurde Sanitätsoffizier und studierte Medizin in Hannover. Im gleichen Jahr trat er der FDP bei und übernahm bereits vier Jahre später den Landesvorsitz der Jungen Liberalen.

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Rösler mag bundespolitisch noch nicht stark in Erscheinung getreten sein - unterschätzt wird er deshalb jedoch nicht. Manche Beobachter nennen ihn hochintelligent und fleißig, andere kritisieren ihn als Streber und Perfektionisten. Dabei wirkt er meist authentisch. Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) lobte Rösler bei seinem Amtsantritt als Wirtschaftsminister seinerzeit mit den folgenden Worten: "Philipp Rösler ist blitzgescheit in der Aufnahme von Fakten, er ist mutig, auch gegen den Strom zu schwimmen." Eigenschaften, die ihm sicherlich auch bei seiner Aufgabe als Gesundheitsminister zu Gute kommen werden.

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