Um 13 Uhr Mittags starteten die versammelten Studentinnen und Studenten ihren seit mehreren Wochen geplanten Demonstrationszug gegen die Studiengebühren. Die Demonstration war von mehreren Studentenschaften verschiedener Universitäten und von vielen Verbänden gemeinsam organisiert worden. Mittlerweile steht auch der Nachwuchs der meisten Parteien, ob Grüne, SPD oder Junge Union hinter dem Vorhaben, die Studiengebühren abzuschaffen.
Nach der Einschätzung der zuständigen Polizeistelle betrug die Zahl der Demonstranten etwa 3.500, die Zahl der anwesenden Polizisten etwa 50. Der Zug begann vor dem Hauptgebäude der Ludwig-Maximilians-Universität, zog sich über die Leopoldstraße und machte länger unter lautem Rufen vor der bayerischen Staatskanzlei halt.
Mit der Zeit flochten sich immer mehr Passanten mit in den Zug der Demonstranten ein. Vermutlich erschienen die laut gerufenen Parolen „Bildung für alle - und zwar umonst!" und „Wir sind hier und wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut" berechtigt und sinnvoll. Denn die Einführung der Studiengebühren geht seit Anbeginn mit der berechtigten Angst einher, dass man sich nun Bildung leisten können müsse. Die Schneise, die sich bereits in der Grundschule ausbreitet, dass der Weg in die Bildung vom Hintergrund der Eltern abhängt, wird seit jeher bis in die Universitäten fortgeführt.
Nun mag man möglicherweise einwenden, dass auch ärmere Leute studieren, da sie einen Bildungskredit beantragen können. Doch viele junge Menschen scheuen sich nun davor, sich noch vor ihrem Eintritt ins Berufsleben so hoch zu verschulden. Hinzu kommt, dass über die Umstellung in Bachelor-und Masterstudiengänge die Stundenpläne sehr eng und verschult sind, so daß es vielen zeitlich unmöglich ist, sich entsprechend auf die Uni vorzubereiten und zu lernen, während sie eigentlich arbeiten müßten, um für ihren Unterhalt und die Studiengebühren zu sorgen.
Vor der Staatskanzlei formierten sich die etwa 2.000 Studentinnen und Studenten mit interessierten Bürgern und riefen lauthals und lange: „Abschaffen!" Ein Ende fand der Zug vor dem Staatstheater am Odeonsplatz. Noch Stunden später begegnete man in der Innenstadt jungen Menschen, die mit „Wissen macht reich"-Stickern gegen Studiengebühren, gesponsort von der SPD-Landtagsfraktion, auf die Demonstration aufmerksam machten.
Im Interview erzählten zwei Studenten und eine Studentin, dass sie eigens aus Regensburg zur Demonstration angereist seien. Auf die Frage nach ihrer Motivation meinten diese, dass das Thema immer am Rollen bleiben solle. Es könne ja sein, dass die, die nach ihnen kämen, bald gar nicht mehr wüßten, dass „es einmal eine Zeit gab, in der studieren für alle umsonst war". Wenn man die Studiengebühren und die studentische Abneigung dagegen immer wieder thematisiere, dann könne man vielleicht auf längere Sicht einmal etwas verändern, meinten die drei Mitglieder einer Fachschaft an der Uni Regensburg.
Dass die Demonstration gegen Studiengebühren wohl eher auf taube Ohren gestoßen sein mag könnte daran liegen, dass währenddessen in der Staatskanzlei über einen Nachtragshaushalt 2008 beschlossen wurde, „zur Umsetzung des umfassenden Hilfsprogramms für die BayernLB".
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SoS - Studieren ohne Studiengebühren (04.12.2008 17:49)Online-Petition
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