US-Präsident Barack Obama will Afghanistan bald verlassen, wie aus seinen Beraterkreisen bekannt wurde. Nächsten Dienstag wird Obama seine neue Afghanistan-Strategie offiziell vorstellen. Dabei wird es auch um eine Truppenverstärkung von 30.000 Soldaten gehen, wie die US-amerikanische Tageszeitung ‚The New York Times‘ in ihrer Onlineausgabe am heutigen Mittwoch berichtet.
Obama wird zwar erst nächsten Dienstag eine Rede ans Volk halten, in der er seine neue Afghanistan-Strategie darlegen wird, doch erste Details sind bereits an die Öffentlichkeit gekommen. Laut Angaben der ‚New York Times‘ plant Obama 30.000 zusätzliche Soldaten in den Krieg zu schicken. Mit dieser Truppenverstärkung will Obama sein Ziel erreichen: „den Job in Afghanistan zu beenden", wie er am gestrigen Dienstag erklärte.
Momentan befinden sich 68.000 amerikanische Soldaten in Afghanistan, die von alliierten NATO-Kräften unterstützt werden. Auch von den Verbündeten erwarten sich die USA ein stärkeres Engagement in Afghanistan, wie Geoff Morell, Sprecher des US-Verteidigungsministeriums am vergangenen Dienstag betonte. Dabei äußerte Morell keine konkreten Forderungen.
Nach Angaben des britischen Premierministers Gordon Brown wollen zehn NATO-Staaten dieser Aufforderung nachkommen und 5.000 zusätzliche Soldaten nach Afghanistan entsenden. Simon Lewis, der Sprecher Browns, gab am heutigen Mittwoch in London an, dass sich dies in Gesprächen Browns mit den betreffenden Staaten in den vergangen Wochen ergeben habe. Es wurden keine Angaben dazu gemacht, um welche Länder es sich dabei handelt.
In Deutschland wird der Bundestag ab Donnerstag über die von der Regierung beantragte Verlängerung des unveränderten Afghanistan-Mandats um ein Jahr diskutieren. Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg wartet daher auch erst einmal ab und hatte bei seinem Besuch in Washington vergangene Woche auch noch keine Zusagen getroffen. Thomas Kossendey, parlamentarischer Staatssekretär im Verteidigungsministerium, erläuterte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, eine bloße Truppenaufstockung ohne die Definition verbindlicher Ziele und Fristen habe keinen Sinn. Dabei müsse auch aus Erfahrungen der Vergangenheit gelernt werden.
Der Afghanistan-Einsatz ist für Obama in nationaler Hinsicht ein Minenfeld. In der Heimat muss sich der amerikanische Präsident seiner eigenen Partei, den Demokraten, als friedfertiger Präsident zeigen, der den Krieg möglichst schnell beenden will. Auf der anderen Seite muss der Friedensnobelpreisträger die Republikaner davon überzeugen, dass er das Militär ausreichend unterstützt, um die Taliban zurückzudrängen und die Bedrohung der USA durch die El Kaida möglichst klein zu halten.
Zudem verschlingt der Einsatz Unsummen. Wie die ‚New York Times‘ berichtet, kostet die Entsendung jedes einzelnen Soldaten eine Million Dollar - die Sprecherin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, hat deshalb am gestrigen Dienstag schon ersten Widerstand angekündigt.
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Auch in militärischer Hinsicht herrscht keine Einstimmigkeit über den Sinn der Truppenverstärkung. So meldete sich Karl Eikenberry, US-Botschafter in Kabul, zu Wort. Eikenberry, der auch als US-Oberbefehlshaber am Hindukusch diente, warnte vor einer Truppenaufstockung. Zuvor müsse die Regierung des afghanischen Präsidenten Hamid Karsai die Korruption wirksam bekämpfen und Maßnahmen zur Stabilisierung des Landes ergreifen.