US-Präsident Barack Obama entsendet zusätzliche 13.000 Soldaten nach Afghanistan. Dabei handelte es sich allerdings in erster Linie um unterstützende Einheiten wie Ingenieure, Sanitäter, Geheimdienstexperten und Militärpolizisten, wie die Onlineausgabe der 'Washington Post' am späten gestrigen Montagabend unter Berufung auf Verteidigungskreise berichtete.
Im März dieses Jahres hatte das Weiße Haus von einer zusätzlichen Truppe von 21.000 Mann gesprochen, die Zahl der unterstützenden Kräfte jedoch nicht erwähnt. Damit steigt die vom frisch gekürten Friedensnobelpreisträger autorisierte Zahl an zusätzlichen Truppen auf insgesamt 34.000 an.
Es ist nicht das erste Mal, das das Weiße Haus und das Pentagon eine größere Truppenverlegung quasi verschweigen. Bereits Obamas Vorgänger, Präsident Bush, erwähnte im Jahr 2008 bei einer Truppenaufstockung für den Irak nur die 20.000 Kampftruppen, nicht aber die 8.000 Mann starke Unterstützungstruppe. Derzeit sind laut 'Washington Post' rund 65.000 US-Soldaten in Afghanistan stationiert.
Derzeit arbeitet das außenpolitische Team rund Barack Obama an einer neuen Afghanistan-Strategie. Derweil wird von manchen US-Kommentatoren bereits das Schreckgespenst eines zweiten Vietnams an die Wand gemalt. Die zivilen Aufbauziele konnten bisher nur in unbefriedigtem Maß erreicht werden.
Zusätzlich ist die Sicherheitslage sehr angespannt und die Korruption nimmt zu. Dazu passt, dass deutsche Pistolen aus Bundeswehrbeständen auf afghanischen Schwarzmärkten gehandelt werden und die Taliban laut dem US-Finanzministerium auf weitaus größere finanzielle Mittel Zugriff haben als al-Quaida.
Der für Terrorfinanzierung zuständige Abteilungsleiter David Cohen betonte, dass die integralistischen Rebellen über eine breite Palette krimineller Aktivitäten verfügen, um Anschläge auf ausländische Truppen in Afghanistan finanzieren zu können. Vor allem werde Geld von Bauern und Drogenhändlern erpresst, auch trieben die Taliban Schutzgelder von Geschäftsleuten ein. Ein Teil der Mittel gelange sogar über Afghanistan hinaus ins weltweite Finanzsystem.
Der US-Präsident steht unter starkem Druck. Der US-Oberbefehlshaber am Hindukusch, General Stanley McChrystal, forderte vor kurzem die Entsendung von bis zu 40.000 zusätzlichen Soldaten von US-Oberbefehlshaber Obama. Er hatte ein düsteres Bild gezeichnet, und sogar ohne zusätzliche Soldaten das Szenario einer Niederlage in Aussicht gestellt. Die Zahl der Kriegsbefürworter nimmt in der öffentlichen Meinung Amerikas allerdings immer weiter ab.
In einem Interview mit dem Nachrichtensender 'CNN' verwies Verteidigungsminister Bob Gates indessen auch explizit auf die schwache Unterstützung seitens der US-Verbündeten, ohne hier jedoch einzelne Staaten hervorzuheben: "Wegen unseres Unvermögens und, ehrlich gesagt, auch wegen des Unvermögens unserer Alliierten, ausreichend Truppen in Afghanistan einzusetzen, scheinen die Taliban nun ihre derzeitige Schlagkraft zu haben."
Als aktuelles Beispiel für die nur zaghafte Unterstüzung vieler US-Verbündeter trat auch Japan auf den Plan, das seine logistische Unterstützung für den Nato-Einsatz am Hindukusch zu Beginn des kommenden Jahres einstellen wird. Die beiden Kriegsschiffe zur Treibstoffversorgung sollen im Januar aus dem Indischen Ozean abgezogen werden, erklärte Verteidigungsminister Toshimi Kitazawa am heutigen Dienstag in Tokio. Der Grund für den Kurswechsel ist in dem Regierungswechsel im September zu sehen.
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Der japanische Marine-Einsatz hatte während der US-Invasion im Herbst 2001 begonnen. Im März vergangenen Jahres erklärte sich Japan zudem bereit, sechs Monate lang die Gehälter von 80.000 afghanischen Polizisten zu bezahlen. Das Land der aufgehenden Sonne finanziert darüber hinaus eine Reihe von Projekten in den Bereichen Bildung, Landwirtschaft und Infrastruktur. (jka/mso)