Jacob Zuma ist in Südafrika neuer Vorsitzender des African National Congress (ANC) und damit auch wahrscheinlicher neuer Staatschef. Der umstrittene Traditionalist sieht sich gerne als Mann des Volkes, stammt er doch selbst aus ärmlichen Verhältnissen. Die Sympathien der armen Schichten sind ihm auch in der Tat sicher: Sie sehen in Zuma einen großen Hoffnungsträger im Kampf gegen Massenarmut, Kriminalität und Arbeitslosigkeit.
Ob der neue Vorsitzende all diese Hoffnungen allerdings erfüllen wird, steht auf einem anderen Blatt. Eines kann er jedenfalls sehr gut: Die Massen begeistern. Ein wahrer Personenkult rankt sich um einen Mann, der seine Popularität mit Hilfe rassistischer Abgrenzung und alter Anti-Apartheitslieder wie Umshini Wami („Hol mir mein Maschinengewehr") hegt und pflegt.
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Allerdings finden sich in seinem Lebenslauf auch einige Skandale, die ein genaueres Hinsehen nötig machen. 2005 hatte Zuma gleich zwei Mal von sich reden gemacht. Im damaligen Juni hatte Präsident Mbeki ihn seines Amtes als Vizepräsident enthoben, weil er in einen Korruptionsskandal verwickelt war. Mangels geeigneter Indizien und schwerer Verfahrensfehler wurde Zuma allerdings frei gesprochen.
Jetzt droht ihm nach Bekanntwerden neuartiger Indizien erneut ein Prozeß in der gleichen Angelegenheit. Die Vorwürfe beziehen sich auf einen Waffenhandel mit der südafrikanischen Filiale des französischen Thales-Konzerns. Zumas Finanzberater sitzt derzeit eine 15-jährige Haftstrafe ab, weil er in seinem Auftrag die Zahlung von Schmiergeld haben soll. Zuma selbst betont, erst bei einer Verurteilung seine Parteiämter ruhen lassen zu wollen.
Auch Vorwürfe ganz anderer Art hatten bereits für Negativ-Schlagzeilen gesorgt. Knapp sechs Monate nach seiner Amtsenthebung als Vizepräsident vergewaltigte Zuma angeblich eine Anti-Aids-Aktivistin. Nach der formellen Einleitung eines Verfahrens gestand er sexuellen Kontakt ein, allerdings im beiderseitigen Einvernehmen. Daraufhin sprach das Gericht ihn frei.
Die Frau war während des Prozess als „Hure" bezeichnet und dann mit Hilfe eines Zeugenschutzprogrammes im Ausland untergebracht worden. Die Rüge des Richters, Zuma habe beim Geschlechtsverkehr mit der HIV-infizierten Frau kein Kondom verwendet, schmetterte Zuma mit dem schlagfertigen aber wenig schlagkräftigen Argument ab, er habe doch nach dem Geschlechtsverkehr intensiv geduscht. Dies lässt sein Versprechen, den Kampf gegen Aids voranzutreiben zu wollen, in einem gänzlich anderen Licht erscheinen.
Auch gegen Schwule hielt Zuma bereits Brandreden: „Mir hätte in der Vergangenheit kein Schwuler gegenüberstehen können. Ich hätte ihm eine reingehauen", so der viel sagende Ausspruch des ANC-Vorsitzenden. Infolge öffentlichen Aufhebens entschuldigte sich Zuma wenige Tage später für die Aussage. Aufweisen kann der aussichtsreiche Präsidentschaftskandidat ebenfalls die von der Sunday Times verliehene Auszeichnung zum „wohl prominentesten Polygamisten des Landes" gekürt. Zuma ist mindestens 14-facher stolzer Vater Kinder und mit mehreren Frauen gleichzeitig verheiratet. Kein Wunder, dass die Welt Jacob Zuma mit einer Mischung aus Un- und Missbehagen beäugt. (ta)