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28.12.2007VOM REGEN IN DIE TRAUFE

Jacob Zuma stößt in Südafrika Thabo Mbeki vom Thron

Stürmische Zeiten am Kap der Guten Hoffnung: Mit der Wahl von Jacob Gedleyihlekisa Zuma zum neuen Vorsitzenden der Regierungspartei „African National Congress“ (ANC) wagt sich Südafrika in ungewisse Gewässer. Umjubelt als neuer Hoffnungsträger, kehren seine Anhänger die Missetaten des 65-Jährigen einfach unter den Tisch.

Machtwechsel in Südafrika: Auf der 52. Nationalkonferenz des ANC in Polokwane am 18. Dezember wählten rund 60 Prozent der 3.900 stimmberechtigten ANC-Delegierten Jacob Zuma, den ehemaligen stellvertretenden Präsidenten des Landes, zum neuen Vorsitzenden der Regierungspartei.

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Der Parteitag hatte die Partei zutiefst gespalten, denn das Votum für Zuma kam einer Revolution gegen den amtierenden Präsidenten Thabo Mbeki gleich. Wegen der regelmäßigen Zweidrittelmehrheit der Anti-Apartheid-Partei in der Bevölkerung besiegelte die Wahl des frisch gekürten Spitzenkandidaten zugleich Mbekis Abgang bei den Präsidentschaftswahlen 2009. In den 18 Monaten bis zu Zumas voraussichtlicher Wahl ist Mbeki nicht viel mehr als eine Marionette in den Händen des „Zulu-Boys". Der ANC Vorsitzende muss vor allen wichtigen Entscheidungen konsultiert werden.

Zuma als Mann der Basis und des Volkes

Für die Anhänger Zumas ist damit der Weg frei für eine bessere Zukunft Südafrikas. Von dem derzeitigen Präsidenten sind sie zutiefst enttäuscht. Mbekis als autoritär, abgehoben und arrogant geltender Führungsstil geht vielen ANC Angeordneten gegen den Strich. Der aus ärmsten Verhältnissen stammende Zuma gilt hingegen als Mann der Basis und des Volkes. Mit einfachen Worten gelingt es ihm immer wieder, die Massen zu begeistern.

Zwar hat Südafrika derzeit ein konstantes Wachstum von vier bis fünf Prozent, einstellige Inflationsraten und sogar einen Haushaltsüberschuss - die Mehrheit der Bevölkerung lebt jedoch nach wie vor in bitterer Armut. Die Arbeitslosigkeit liegt bei geschätzten 40 Prozent, 25 Prozent der Bevölkerung leben von staatlicher Unterstützung. Zuma soll den Armen nun zu ihrem Stückchen Torte verhelfen.

Schwere Korruptionsvorwürfe

Doch wer ist der 65-Jährige, der die Herzen der Südafrikaner im Sturm eroberte? Der als „bodenständig" und „warmherzig"  geltende Zuma war wie Nelson Mandela lange Zeit auf der Gefängnisinsel Robben Island inhaftiert, weil er gegen die Apartheid kämpfte. Als Geheimdienstchef der Untergrundarmee sponn Zuma nach seiner Freilassung weiterhin die Fäden für den ANC. Dass der „Comrade" trotz seiner lückenhaften Schulausbildung, schließlich im Jahr 2001 unter anderem die Ehrendoktorwürde der Universität Zululand erhielt zeugt vom Ergeiz und Durchhaltevermögen des 65-Jährigen.

Äußerlich gesehen sieht Zuma aus, als könnte er Südafrika auf Händen tragen: Der große, bullige Mann strotzt nur so vor Kraft. Doch diese verwendet der Parteichef nicht immer zum Besten. Wegen Korruption, Betrug und Steuerhinterziehung in mehr als 300 Fällen muss sich Zuma im kommenden Jahr vor Gericht verantworten. Sein Finanzberater Schabir Shaik war wegen der Annahme von Bestechungsgeldern bereits im Juni 2005 zu einer 15-jährigen Haftstrafe verurteilt worden. Aus diesem Grund enthob Mbeki seinen Vizepräsidenten im selben Jahr des Amtes.

„Heiß duschen schützt vor HIV"

Nicht einmal sechs Monate nach der Amtsenthebung wurde Zuma abermals eines schweren Deliktes beschuldigt: Der ehemalige Geheimdienstchef der ANC-Untergrundarme soll am 2. November 2005 die HIV-positive Tochter eines alten ANC-Weggefährten vergewaltigt haben.

Zwar wurde Zuma wegen Verfahrensfehlern schlussendlich freigesprochen, doch die Aussagen des 65-Jährigen Ex-Vorsitzenden des Nationalen Aids-Ausschusses, dass er sich nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr mittels einer heißen Dusche vor der Infektion geschützt habe, zeugen von dessen Ignoranz und Engstirnigkeit. In einem Land, in der die Infektionsrate der Bevölkerung bei 21,5 Prozent, und in einigen Gebieten wie in Swaziland fast doppelt so hoch liegt, sind solche Aussagen fatal.

Typisch afrikanischer „Big Man"

Zumas Feststellung, er könne einer Frau ansehen, ob sie Verkehr mit ihm wünsche oder die Bemerkung, er hätte als Jugendlicher jeden Homosexuellen ohne Zögern umgehauen, klassifizieren den 65-jährigen eher als menschenverachtenden Rambo, denn als Präsidenten eines Landes mit horrenden Totschlags- und Vergewaltigungszahlen. Auch das Faible für afrikanischen Pomp und sein Bekenntnis zur Polygamie - Zuma hat 17 Kinder von 9 Frauen - zeichnen den neuen ANC-Vorsitzenden als typisch afrikanischen „Big Man" aus.

Die umstrittenen Äußerungen und das Korruptionsverfahren sind jedoch für Zumas Popularität keineswegs abträglich - wie ein Phönix steigt er immer wieder aus der Asche. Die einzige Kritik, die derzeit an Zuma geübt wird, ist die, dass er ausländische Investoren abschrecke. Weil der 65-Jährige von den Gewerkschaften massiv unterstützt wird, befürchten Finanzfachleute eine Abkehr von dem stabilen wirtschaftsliberalen Kurs der Regierung Mbekis. Mittels Reisen nach Großbritannien, Indien und in die USA versucht der ANC-Spitzenpolitiker nun sein Image aufzupolieren.

Vom Regen in die Traufe                                           

Zuma zählt zweifelsohne zu den populärsten und zugleich umstrittensten Politikern Südafrikas. In den gefährlichen Küstengewässern Südafrikas muss der neue ANC Chef erst noch beweisen, ob er sein Schiff auf geradem Kurs halten kann. Dass dies gelingt, ist allerdings eher unwahrscheinlich. Denn die Zeiten, in der die Befreiungsbewegung großartige Persönlichkeiten wie Nelson Mandela hervorbrachte, sind vorbei. Mit der Ablösung Thabo Mbekis durch den neuen ANC Vorsitzenden Jacob Zuma gelangt Südafrika allenfalls vom Regen in die Traufe.

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