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Waffenstillstand im Kongo ausgerufen – EU erwägt Entsendung von Truppen

07.11.2008REBELLEN NEHMEN KEINE GEFANGENE

Massenmord-Verdacht im Kongo - Ein Land im Abwärtsstrudel

An einem Massaker an bis zu 60 jungen Männern sollen Truppen des kongolesischen Rebellengenerals Laurent Nkunda verantwortlich sein. Das Massaker ist unmittelbar vor der geplanten Kongo-Konferenz im Ostkongo verübt worden.

Die britische Nachrichtenagentur BBC hat heute morgen berichtet, Rebellen hätten die Stadt Kiwanja zurückerobert. Erst einen Tag zuvor hatten die regiersungstreuen Mai-Mai-Milizen die Stadt unter ihre Kontrolle gebracht.

Mitarbeiter von Hilfsorganisationen fanden die Leichen vieler junger Männer auf. Es hieß, dass diese auf den Verdacht hin, Mai-Mai-Kämpfer zu sein, hingerichtet worden seien. Ein Uno-Beobachter berichtete am Donnerstag, dass zuerst die Mai-Mai in Kiwanja aufgetaucht seien und mutmaßliche Anhänger des Nkunda getötet hätten. Daraufhin seien Nkunda-Kämpfer in die Stadt eingedrungen, um mutmaßliche Mai-Mai-Kämpfer zu ermorden. Nach Angaben des Reuters Reporters vor Ort gab es keine Hinweise, dass die toten Männer Soldaten gewesen seien. Einige der Opfer trugen blaue Arbeitskleidung.

Mai-Mai-Milizionäre hätten Berichten zufolge Kiwanja in Zivilkleidung infiltriert und Dorfbewohner erschossen, die unter dem Verdacht standen, die Rebellen unterstützt zu haben. Der Rebellenführer Nkunda hatte 2004 die Regierungstruppen verlassen. Damals hatte er seine Abkehr damit begründet, seine Tutsi-Minderheit vor Übergriffen von Hutu-Milizen aus Rwanda schützen zu müssen. Die Regierung des Kongo wirft Nkunda die Verwicklung in Kriegsverbrechen vor.

Joseph Kabila, der Präsident der Demokratischen Republik Kongo, warf den Uno-Friedenstruppen Versagen beim Schutz der Zivilbevölkerung vor. „Menschen werden abgeschlachtet und die Uno-Mission tat nichts", sagte ein Sprecher Kabilas am Freitag. Außerdem beschuldigte Kabila den Nachbarstaat Rwanda, sich in den Konflikt zwischen Regierungstruppen und Rebellen einzumischen. „Rwand muß aufhören, sich einzumischen", sagte der Sprecher.

Der Sprecher der Uno-Friedenstruppe, Monuc, will die Berichte untersuchen lassen. Nun soll mit einem Krisengipfel in der kenianischen Hauptstadt Nairobi nach einer politischen Lösung gesucht werden. Uno- Generalsekretär Ban Ki Moon wird auch an den Gesprächen teilnehmen. Er rief alle bewaffneten Gruppen der Region zu einem sofortigen Waffenstillstand auf. Sowohl der kongolesische Präsident, als auch der rwandische Präsident Paul Kagame werden an der Gipfelberatung auf der Suche nach einer politischen Lösung teilnehmen.

Um Goma sind rund 200.000 Flüchtlinge in Lagern auf Hilfe von außen angewiesen. Hilfsorganisationen gaben an, dass Hunderttausende von jeder Unterstützung abgeschnitten sind.

Die Kinderschutzorganisation 'Save the Children' berichtete über einen massiven Anstieg der Rekrutierung von Kindersoldaten, seit im Ost-Kongo wieder gekämpft wird. Außerdem seien mindestens zwei Schulen überfallen worden, um möglichst viele Kinder in die Gewalt der bewaffneten Truppen zu bringen.

Der verschleppte Afrika-Korrespondent der „Frankfurter Zeitung", Thomas Scheen, befindet sich nun mit seinen beiden kongolesischen Mitarbeitern wieder in Freiheit unter der Obhut der Uno-Friedenstruppen. Es gehe ihm den Umständen entsprechend gut, berichtete die Zeitung. Vor drei Tagen waren der in Belgien geborene Journalist und seine Mitarbeiter von Kämpfern der Mai-Mai-Miliz verschleppt worden. Das Auswärtige Amt, die belgischen Behörden und die UN-Friedenstruppe hatten sich stark um Scheens Befreiung bemüht. (lkl)

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