Carl Cameron, politischer Chefkorrespondent des US-Senders 'Fox News', hat nach dem offiziellen Ende des Wahlkampfes mit zahlreichen McCain-Mitarbeitern zu Sarah Palin gesprochen. Heraus kan Verheerendes. Bereits vor der Nominierung der 44-Jährigen har es demnach in den republiknischen Reihen ernste Zweifel an ihrer Eignung gegeben. Viele betrachteten die Wahl Palins als "zu riskant" - und sollten Recht behalten. Die Liste der Fehltritte ist gewaltig.
Es habe sich laut Cameron sehr schnell herausgestellt, dass es bei Palin erhebliche „Probleme mit dem Basiswissen" gebe. Dass die USA in der Freihandelszone Nafta seien, habe die Gouverneurin überrascht. Eine wahrhaft peinliche „Wissenslücke" ist jedoch, dass Palin „nicht wußte, dass Afrika ein Kontinent ist und kein Land". Diese Peinlichkeit hätten MacCains Leute Cameron erzählt. Palin habe angeblich gefragt, ob Südafrika nicht einfach ein Land in einem größeren Land sei.
Fox-News-Frontman Bill O'Reilly will sogar erfahren haben, dass sich John MacCain bei verschiedenen Interviews neben Palin gesetzt haben soll, um sie zu überwachen. Dazu habe er sich nach dem Gespräch der Gouverneurin mit Katie Couric von CBS entschlossen, als die Politikerin in dem Interview völlig versagte, und anschließend von der Komikerin Tina Fey aufs Korn genommen worden war.
Doch Palin hatte wohl außer ihren offensichtlichen, zum Teil lustig anmutenden erheblichen Wissenslücken weitere negative Eigenschaften. Die 44-Jährige habe sich laut Cameron phasenweise wie eine Diva verhalten und soll Mitarbeitern gegenüber "so fies" gewesen sein, dass diese in Tränen ausgebrochen seien.
Auch mit der Pünktlichkeit bei den Wahlkampfterminen habe die Politikerin so ihre Schwierigkeiten gehabt. Mitarbeiter der Wahlkampagne hätten Palin beim Versuch, sie zur abgemachten Zeit im Hotel abzuholen, nur mit einem Badetuch bekleidet angetroffen, da sie eben aus der Dusche gekommen sei.
Eine Mitarbeiterin McCains, Nicole Wallace, habe laut Informationen der „New York Times" Palin den Auftrag gegeben, sich drei neue Outfits für den Parteitag in St.Paul/Minnesota und drei weitere für den Wahlkampf zu kaufen. Man habe mit ungefär 20.000 bis 25.000 Dollar gerechnet. Als sei dies nicht schon sehr viel Geld für die Garderobe, zog die exklusive Kaufwut der Palin Entrüstung nach sich, als sie neu eingekleidet 150.000 Dollar ausgegeben hatte.
Ein anonymer Berater des Präsidentschaftsanwärters kritisierte auch den Telefonstreich, dem Palin unterlag. Ein Komiker hatte sich als Nicolas Sarkozy ausgegeben und bei ihr angerufen. Selbst als er den Porno 'Nailin' Palin' als Dokumentation über ihr Leben lobte, bemerkte die Politikerin den Scherz nicht. Sehr peinlich.
Nun soll sich, US-amerikanischen Medienberichten zufolge, ein Anwalt der republikanischen Partei auf dem Weg zur Vizepräsidentschaftskandidatin befinden, um die 150.000 Dollar teuren Kleider abzuholen, die sich noch in ihrem Besitz befinden. Palin wird zudem vorgeworfen, nicht genügend vorbereitet gewesen zu sein. Der außenpolitische Berater McCains, Randy Scheunemann, wies jedoch die Vermutungen zurück, dass es zu einem Zerwürfnis zwischen McCain und Palin gekommen sei. Der Sprecher sagte, McCain sei stolz auf die Zeit, die er mit Palin habe verbringen dürfen. Die Wahlkampfsprecherin von Palin bezeichnete die Vorwürfe als unglücklich. Sie sagte: "Gouverneurin Palin war geehrt, als McCains Running Mate ausgewählt worden zu sein."
Verwandte Artikel
Am Mittwochabend kehrte die umstrittene Frau nach Alaska zurück und wurde von ihren Anhängern mit Sprechchören begrüßt. Sie riefen "2012! 2012!", das Jahr der nächsten Präsidentschaftswahl. Auf die Frage nach einer möglichen Präsidentschaftskandidatur im Jahre 2012 antwortete Palin: "Wir werden sehen, was dann passiert."