Immer mehr Menschen fliehen aus Simbabwe ins Nachbarland Südafrika vor der dort aktuell grassierenden Cholera-Epidemie und dramatischer Nahrungsknappheit. Täglich ziehen Tausende über due Grenze. Die Cholera-Epidemie geht hauptsächlich auf verunreinigtes Trinkwasser zurück. Ohne schnelle medizinische Hilfe führt die Durchfallkrankheit rasch zum Tod.
Kommende Woche will Südafrika nun eine Regierungsdelegation nach Simbabwe entsenden. Es soll herausgefunden werden, wie man dem Nachbarland helfen kann. Am Freitag sagte ein Regierungssprecher, das entsendete Team solle herausfinden, welche Hilfe nötig sei und wie diese verteilt werden könne.
Am Donnerstag hatte Simbabwe wegen der Cholera-Epidemie den Notstand ausgerufen und um internationale Hilfe gebeten. Das simbabwische Gesundheitsministerium benötigt elf Millionen Dollar (8,5 Millionen Euro) und zusätzliche 3,93 Millionen Dollar für die Beschaffung von Produkten zur Trinkwasserreinigung. In seiner 28 Jahre lang währenden Herrschaft hat Simbabwes Präsident Mugabe das einst als verhältnismäßig wohlhabend geltende afrikanische Land heruntergewirtschaftet.
Die Hilfsorganisation Oxfam gab an, dass mindestens 300.000 Menschen in der Gefahr stünden, an Cholera zu erkranken. Millionen Menschen seien vom Hunger bedroht, sagte der Direktor von Oxfam, Peter Mutoredzanwa, in Simbabwe. Bislang sind bereits mindestens 565 Menschen an der Cholera-Epidemie gestorben. Die UNO spricht von über 12.500 Erkrankungen.
Der südafrikanische Erzbischof Desmond Tutu verlangte einen Rücktritt Mugabes. Notfalls müsse dieser mit Gewalt vertrieben werden. Auch US-Außenministerin Condolezza Rice erklärte am Freitag, ein Rücktritt Mugabes sei längst überfällig. Die jüngste Wahl in dem afrikanischen Land sei ebenso wie die Verhandlungen über eine Machtbeteiligung der Opposition eine Farce gewesen. Nachdem der komplette wirtschaftliche Ruin des Landes offen zutage tritt, leidet nun auch die Bevölkerung unter dem Ausbruch der Epidemie.
Nachdem die EU bereits ihre Hilfe angekündigt hat, wird Botswana einen Millionenbetrag für humanitäre Maßnahmen bereit stellen. Die WHO kündigte Hilfslieferungen im Wert von 340.000 Dollar an. Auch das internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) erhöhte seine Hilfe für die Opfer der Epidemie und lieferte 13 Tonnen Güter zur medizinischen Versorgung.
In neun von zehn Provinzen des Landes breitet sich die Seuche aus. Die Hälfte der Fälle betreffen die Region Harare. Das UN-Büro für humanitäre Angelegenehieten gab an, dass sich im Laufe der vergangenen Woche die Zahl der Ansteckungen um 30 Prozent erhöht habe und die Zahl der Todesfälle gar um 176 Prozent. Der mangelnde Zugang zu sauberem Trinkwasser sei der Hauptgrund für die Verschärfung der Situation, teilte das IKRK mit. „Verstärkte Regenfälle und der Beginn der Überschwemmungszeit lassen eine Verschlimmerung der Situation befürchten."
Laut Warnungen von Hilfsorganisationen könnte es bis März 2009 zu 10.000 Toten und 60.000 Infizierten kommen. Jedoch sei auch mit einer hohen Dunkelziffer zu rechnen. In den Statistiken würden nur Erkrankte erfasst werden, die sich zu einer Behandlung gemeldet haben. Viele Trauernden könten den Tod ihrer Angehörigen nicht mehr melden. Auch auf die Nachbarländer greift die Seuche schon über. In Südafrika wurden bisher sechs Cholera-Tote gemeldet. Die Bevölkerung wird dazu aufgerufen, das Wasser vor dem Trinken abzukochen.
Seit den Wahlen im März gibt es in Simbabwe keine neue Regierung. Trotz des Verlustes der Parlamentsmehrheit hat Mugabe seine Macht gesichert. Der Präsident will nun in der geplanten Koalitionsregierung auch da Innenministerium kontrollieren, welches für die Polizei zuständig ist.
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Der Geheimdienst von Simbabwe wird mit der Verschleppung der Menschenrechtlerin Jestina Mukoko in Verbindung gebracht. Mukoko arbeitet im 'Zimbabwe Peace Project', welches brutale Übergriffe dokumentierte und veröffentlichte. Gemeinsam mit simbabwischen, südafrikanischen und internationalen Organisationen hat die deutsche Heinrich-Böll-Stiftung sich für die sofortige Freilassung der Menschenrechtlerin ausgesprochen. (lkl)