Und wieder einmal ist ein ranghoher Politiker zum Opfer einer Schuhattacke geworden. Diesmal war das Zielobjekt allerdings nicht der ehemalige US-Präsident George W. Bush, sondern Chinas Regierungschef Wen Jiabao. Ein noch unbekannter Mann hatte aus Protest gegen die chinesische Menschenrechts-Politik zu dem corpus delicti gegriffen. Spekulationen zufolge soll der Übeltäter einen deutschen Akzent haben.
Aus Wut und Enttäuschung über die aktuelle Menschenrechts-Politik des Reichs der Mitte hat ein Mann seine Schuhe als Tatwerkzeuge instrumentalisiert und die Treter in Richtung des chinesischen Regierungschefs Wen Jiabao geschleudert. Der Vorfall ereignete sich während eines Vortrages des chinesischen Premiers am vergangenen Montag in der britischen Universität Cambridge. Weder die Universität noch der Vorsitzende der Cambridge German Society, Christian Richardt, äußerten sich bislang zur Identität des Mannes.
„Wie kann sich die Universität für diesen Diktator prostituieren. Wie könnt Ihr den Lügen zuhören, die er erzählt. Steht auf und protestiert", rief der 27-jährige Aufständische, bevor er seinen Turnschuh nach dem chinesischen Permierminister warf. Das Wurfutensil verfehlte den 66-Jährigen und kam ein Stück weit entfernt auf dem Boden zur Landung. Von chinesischer Seite aus war der peinliche Vorfall zunächst verschwiegen worden. Sogar entsprechende Einträge im Internet waren der staatlichen Zensur unterworfen und gelöscht worden.
Dennoch bekamen die Chinesen den Vorfall dann doch noch zu sehen. Nachdem den ganzen Tag über nichts von dem Ereignis berichtet worden war, zeigte das chinesische Staatsfernsehen die Attacke auf Wen Jiabao in einem längeren Filmbericht in den landesweiten Abendnachrichten. Der Regierungschef hatte den mißglückten Angriff in Cambridge als „verachtenswerte Tat" beschimpft. Zugleich betonte der Premier, ein solcher Vorfall könne die Freundschaft zwischen dem chinesischen und britischen Volk nicht gefährden. Während seines dreitägigen Besuches in Großbritannien war es wiederholt zu Protesten gegen Chinas Tibet-Politik gekommen.
Derweil protestierte das Außenministerium in Peking gegen den „Zwischenfall", mit welchem Wort der Schuhwurf in den amtlichen chinesischen Medien zunächst umschrieben wurde. „Ein Mann hat verzweifelt versucht, die Ordnung im Saal und die Rede zu stören. Sein Verhalten stieß auf energischen Widerstand des ganzen Publikums. Er wurde ausgebuht und abgeführt", erklärte das Ministerium in einer eigenen Version der Protestaktion, ohne den Schuhwurf selbst zunächst zu erwähnen.
Verwandte Artikel
- SYMBOLTRÄCHTIGER FEHLTRITT - China verhaftet Bürgerrechtler Liu Xiaobo am 60. Jahrestag der Menschenrechtserklärung
- REICH DER MITTE IMMER HEMMUNGSLOSER - China rügt Sarkozy scharf: Treffen mit Dalai Lama "unkluger Schritt"
- 'WIR WOLLEN ECHTE AUTONOMIE' - EU-Parlament würdigt den Dalai Lama mit Standing Ovation
Medienberichten zufolge könnte es sich bei dem Übeltäter um einen Deutschsprachigen handeln. Zeugen wollen durch die wütenden Protestrufe, die der Wurfattacke vorangegangen waren, einen deutschen Akzent gehört haben. Die britische Zeitung ‚Daily Mail‘ sprach ausdrücklich von einem Deutschen, ohne allerdings Quellen zu nennen. Die Polizei in Cambridge hielt sich indes zurück, Aussagen zur Nationalität des Mannes zu machen. Der 27-Jährige muss sich in der kommenden Woche in Cambridge wegen Störung der öffentlichen Ordnung vor Gericht verantworten. (sk)