Nach dem von Rebellenführer General Laurent Nkunda ausgerufenen Waffenstillstand hat sich die Lage im östlichen Kongo einigermaßen beruhigt. Der Anführer der Tutsi-Rebellen fordert nun die kongolesische Regierung zu Verhandlungen auf. Währenddessen geraten immer mehr Gräueltaten der Regierungstruppen ans Tageslicht.
In der Provinzhauptstadt Goma hat sich die Situation nach der einseitigen Waffenstillstandserklärung der Rebellen vom Mittwochabend entspannt. Dennoch bleibe die Lage gefährlich, berichten UNO-Vertreter. Ihnen zufolge seien die Regierungstruppen in der Stadt "außer Kontrolle" gewesen. Journalisten berichten von Plünderungen, Vergewaltigungen und Verstümmelungen. Am Mittwoch hätten die Soldaten der Regierung einer spanischen Ordensfrau, die in einem Lazarett arbeitete, beide Füße abgehackt, berichtete der Leiter des katholischen Sozialordens Don Bosco in Goma.
Die Tutsi-Rebellen unter der Führung von General Laurent Nkunda hatten diese Woche weite Teile des östlichen Kongos unter ihre Kontrolle gebracht und die Regierungstruppen aus Goma vertrieben. Nkunda rechtfertigte die Offensive mit Attacken der Hutu auf die Tutsi-Minderheit. Im östlichen Kongo gehören ungefähr 40 Prozent der Menschen den Hutu an, jedoch nur drei Prozent der Volksgruppe der Tutsi.
Nkunda fordert die kongolesische Regierung zu Friedensverhandlungen auf, bezichtigt sie jedoch gleichzeitig der Kooperation mit den Hutu-Milizen. Diese hatten 1994 in Ruanda während eines umfangreichen Genozids 75 Prozent der Tutsi-Bevölkerung binnen 100 Tagen ausgelöscht. Ungefähr 800.000 Menschen kamen damals ums Leben.
„Es ist nicht akzeptabel, dass Regierungssoldaten an der Seite von Verantwortlichen des Völkermords kämpfen. Wir wollen Frieden für die Menschen in der Region", sagte Nkunda der Nachrichtenagentur Associated Press. Die kongolesische Regierung in Kinshasa beschuldigte derweil das Nachbarland Ruanda, die Tutsi finanziell und militärisch zu unterstützen.
Die Tutsi-Truppen hätten sich bis zwölf Kilometer vor der Stadt zurückgezogen, so Nkunda. Durch diesen „humanitären Korridor" sollen Hilfsorganisationen die Zivilbevölkerung unterstützen können. Zuvor hatten bereits die Regierungstruppen die Stadt fluchtartig verlassen.
Währenddessen verurteilte der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen die Kämpfe im Kongo und forderte deren sofortige Einstellung. Die UNO hat ungefähr 17.000 Blauhelmsoldaten im Kongo stationiert, konnte jedoch gegen die Tutsi-Offensive nichts ausrichten.
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Die französische Regierung regte derweil die Entsendung von EU-Truppen in die Krisenregion an. Die Soldaten sollen jedoch nicht kämpfen, sondern humanitäre Hilfe leisten, sagte der französische Außenminister Bernard Kouchner am gestrigen Donnerstag in Paris. Frankreich hat derzeit die EU-Ratspräsidentschaft inne. Das Politische und Sicherheitspolitische Komitee der EU, dem ranghohe Diplomaten aus allen 27 Mitgliedsstaaten angehören, will sich am heutigen Freitag in Brüssel über die Entsendung von Truppen beraten. Der Vorschlag aus Paris stößt jedoch vor allem auf den Widerstand von Deutschland und Großbritannien. (fr)