Eine Anklage gegen Jan Ullrich wird immer wahrscheinlicher. Laut Staatsanwaltschaft habe das ehemalige Aushängeschild des deutschen Radsports allein im Jahr 2004 25.000 Euro an den spanischen Dopingarzt Eufemiano Fuentes überwiesen. Doch...
Eine Anklage gegen Jan Ullrich wird immer wahrscheinlicher. Laut Staatsanwaltschaft habe das ehemalige Aushängeschild des deutschen Radsports allein im Jahr 2004 25.000 Euro an den spanischen Dopingarzt Eufemiano Fuentes überwiesen. Doch das ist noch nicht alles.
Die gegen Ullrich wegen Betruges zu Lasten seines ehemaligen Arbeitgebers T-Mobile laufenden Ermittlungen der Bonner Staatsanwaltschaft bringen immer mehr Details im Doping-Fall des Tour-Siegers von 1997 ans Licht. Nicht nur 2004 habe Ullrich demnach Geld von einem Schweizer Bankkonto an Fuentes überwiesen, sondern auch zu Jahresbeginn 2006 soll es eine weitere Kontobewegung gegeben haben. Allerdings sei die zweite Zahlung noch nicht einwandfrei zuordenbar, erklärte Staatsanwalt Jörg Schindler.
Auch die bei einer Hausdurchsuchung beim ehemaligen Teamchef und späteren Ullrich-Berater Rudy Pevenage sichergestellten Unterlagen seien ausgewertet worden. Erkenntnisse daraus könnten aber wegen der laufenden Ermittlungen nicht mitgeteilt werden.
Die Indizienkette um Ullrich, der bislang jede Form des Dopings bestreitet, zieht sich langsam immer enger: „Wir haben den Fakt, dass Ullrichs Blut bei Fuentes lagerte, und wir haben den Fakt zumindest einer Zahlung von Ullrich an Fuentes. Daraus sind jetzt Schlüsse zu ziehen“, erklärte Schindler. Doch wann Anklage gegen Ullrich erhoben wird, ist bislang noch unklar. Da von Ullrichs Seite keine Kooperation zu erwarten sei, müsse man unter Umständen einen schwierigen Indizienprozess führen, so der leitende Staatsanwalt. Doch mit dem Beweis erfolgter Zahlungen sei man einen Schritt weiter, ergänzte Schindler.
Zu den neuen Vorwürfen muss sich Ullrich zudem in Hamburg in einem Prozess wegen Falschaussage gegen den Anti-Doping-Aktivist Werner Franke verantworten. Dem Molekularbiologen war per einstweiliger Verfügung untersagt worden, zu behaupten, Ullrich habe Geld an Fuentes gezahlt. Außerdem droht dem im April dieses Jahres zurückgetretenen Radprofi ein Sportgericht-Prozess seines Schweizer Verbandes `Swiss Cycling`. Bei einem Schuldsprüch würde Ullrich zumindest ein zeitweiliges Berufsverbot im gesamten Radsportgeschäft drohen. Dann dürfte Ullrich auch nicht als sportlicher Leiter eines Rad-Teams arbeiten.
Auf die Frage, ob Ullrich bei einer Kooperation mit der Staatsanwaltschaft Bonn auf Nachsicht hoffen kann, wollte die Behörde nicht antworten: „Herr Ullrich wünscht keine Zusammenarbeit. Sonst wäre der Fall bei weitem nicht so komplex “. Zumindest den von Franke angestoßene Zivilprozess wegen Falschaussage hätte sich Ullrich mit einer früheren Offenlegung seiner wahrscheinlichen Doping-Geschäfte mit Fuentes erspart. Vielleicht wäre dann auch die breite Öffentlichkeit dazu bereit, ihrem früheren Liebling, wie vielen anderen geständigen Doping-Sündern vor ihm, zu verzeihen. (cai)