Das deutsche Radsport-Team Gerolsteiner steht vor dem Aus. Obwohl das Team bei der Tour de France noch als sauber galt, will der Mineralwasser-Hersteller seinen bis 2008 laufenden Vertrag nicht verlängern. Am heutigen Dienstag erklärte...
Das deutsche Radsport-Team Gerolsteiner steht vor dem Aus. Obwohl das Team bei der Tour de France noch als sauber galt, will der Mineralwasser-Hersteller seinen bis 2008 laufenden Vertrag nicht verlängern.
Am heutigen Dienstag erklärte Konzernsprecher Jörg Crosek, dass sich Gerolsteiner nicht über das kommende Jahr hinaus am Radsport-Sponsoring beteiligen wolle: „Wir werden unseren Vertrag bis 2008 erfüllen, nehmen aber die Option eines weiteren Engagements nicht wahr.“ Damit steht der Ausstieg des zweiten deutschen Radrennstalls neben T-Mobile fest.
In einer schriftlichen Mitteilung des Unternehmens hieß es, dass die jüngsten Doping-Ereignisse zwar nicht die alleinige Grundlage dieser Entscheidung waren, jedoch dazu beigetragen hätten, die Werbe-Plattform Radsport zu entwerten. Zudem setze man auf eine Erweiterung des eigenen Konsumentenkreises, wobei das Sponsoring im Radsport nicht hilfreich sei.
Der Schritt war bereits im Frühjahr mit dem sportlichen Leiter Hans Michael Holczer abgesprochen worden. „Wir haben uns die Entscheidung zwar nicht leicht gemacht, doch der Radsport erreicht nicht mehr alle Konsumenten“, erklärte das Unternehmen. So muss sich Holczer ab der Saison 2009 einen neuen Hauptsponsor suchen um die geschätzten 9 Millionen Euro, die sich der Mineralwasser-Hersteller sein Engagement kosten ließ, auszugleichen. Sollte dies nicht gelingen steht das 1998 gegründete Team vor dem Aus.
Der Teamleiter erklärte, dass man zwar bereits Gespräche mit möglichen Gerolsteiner-Nachfolgern geführt habe, es bislang jedoch noch kein Angebot gebe. Auch der zweite Sponsor des Teams, die VW-Tochterfirma Skoda, wisse laut dpa noch nicht, ob sie ihr Engagement fortsetzen werden. Obwohl Holczer als Vorreiter im Kampf gegen Doping im Radsport gilt, wird es für ihn schwer werden, einen Nachfolger als Sponsor für sein Team zu finden.
Denn in der Vergangenheit sind auch in dem von ihm geleiteten Team Fahrer positiv getestet worden. Sprinter Danilo Hondo wurde 2005 positiv auf das Mittel Captagon getestet und anschließend gesperrt. Der italienische Routinier David Rebellin wurde in einem Doping-Prozess zwar freigesprochen, doch der Verdacht hängt immer noch wie ein Damokles-Schwert über ihm. Zudem gaben beide sportlichen Leiter, Udo Bölts und Christian Henn, zu, in ihrer aktiven Karriere beim Team Telekom mit Epo gedopt zu haben. Bölts musste daraufhin seinen Hut nehmen, Henn hat jedoch weiter das Vertrauen der Teamleitung.
Am Ende ist es nicht schwer nachzuvollziehen, dass ein Konzern, der das reinste Nahrungsmittel der Welt, nämlich Wasser, vertreibt, sich nicht weiter in einer von Doping verseuchten Sportart engagieren will. Vielleicht wachen nach diesem überfälligen Schritt die Verantwortlichen des Radsports endlich auf. Vielleicht ändert sich endlich etwas an der gängigen Doping-Praxis, wenn der Geldhahn zugedreht wird. (cai)