Die erste Sensation der noch jungen Tour de France 2008 ist perfekt. Der Gerolsteiner-Profi Stefan Schumacher hat am gestrigen Dienstag das Einzelzeitfahren rund um Cholet gewonnen und startet bei der heutigen Etappe nach Châteauroux im Gelben Trikot des Gesamtführenden. Der 26-jährigen Radprofi aus Nürtingen ließ dabei Favoriten wie Fabian Cancellara, David Millar und Cadel Evans deutlich hinter sich.
Die Tour 2008 begann verregnet, die Zuschauer waren angesichts der vergangenen Dopingskandale skeptisch und schalteten ihre Fernseher nur sehr zögerlich ein. Doch nun könnte sich das Blatt wenden. Denn Stefan Schumacher sorgte bei der diesjährigen Frankreichrundfahrt für die erste Sensation aus deutscher Sicht. Klar überlegen gewann der Gerolsteiner-Fahrer das Einzelzeitfahren rund um Cholet.
„Unter die Top-Fünf würde ich schon gerne kommen. Ich bin gut drauf und die Strecke liegt mir", ahnte „Schumi" zumindest ansatzweise seinen Triumph voraus. Dass es dann aber gleich so gut laufen würde, war dem 26-Jährigen nach dem Rennen selbst nicht ganz geheuer. Mit einer sensationellen Leistung auf der 29,5 Kilometer langen Strecke verwies Schumacher die selbsternannten Favoriten Fabian Cancellara, David Millar oder Kim Kirchen auf die Plätze.
Besonders der zweifache Zeitfahr-Weltmeister Cancellara vom Team CSC sah vor der Etappe schon wie der sichere Sieger aus. „Fabian soll ins Trikot fahren!", hatte am Montag sein Rennstall die entsprechende Losung ausgegeben. Doch der Schweizer enttäuschte mit Rang fünf und 33 Sekunden Rückstand auf Schumacher. Dazwischen platzierten sich der Luxemburger Kim Kirchen, Zeitfahrspezialist David Millar aus Großbritannien sowie Tourfavorit Cadel Evans aus Australien.
„Ein Traum - ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Ich bin beim Zuschauen im Mannschaftsbus verrückt geworden" freute sich Schumacher, als das nervenaufreibende Warten auf die Konkurrenten endlich vorüber war. „Wenn ich mir eine Strecke hätte aussuchen können, dann die. Die Distanz und das Profil waren ideal für mich. Ich hatte von Anfang an gespürt, dass ich einen guten Tag hatte", diktierte der Gerolsteiner-Kapitän den Journalisten im Ziel.
Zwar ist Schumacher der strahlende Sieger, doch sein Gelbes Trikot ist nicht ganz unbefleckt. Bei seinem dritten Platz während der Weltmeisterschaft 2007 in Stuttgart wies eine Blutprobe des Radprofis einen erhöhten Hämatokritwert auf. Schumacher rechtfertigte den hohen Wert mit einer Durchfallerkrankung. Später erklärte der Bund Deutscher Radfahrer die Urinprobe für negativ. Ein ungutes Gefühl jedoch blieb.
Kaum war die Sache ausgesessen, verursachte Schumacher mit 0,6 Promille im Blut einen Autounfall. Nach einem Diskobesuch hatte der Radprofi seinen Wagen in einen Gartenzaun gelenkt. Zu allem Überfluss wies die Blutanalyse auch noch Spuren von Amphetaminen nach. „Ich habe keine Drogen genommen", beteuert Schumacher heute wie damals. Schumacher hatte Glück, dass die Untersuchung außerhalb der Wettkampfphase keinen positiven Dopingbefund darstellte. Aber erneut kamen Zweifel auf, ob Schumacher hundertprozentig sauber sei. Über die Tour de France zu berichten, ohne gleichzeitig auch vom Doping zu schreiben - inzwischen leider ein fast unmögliches Unterfangen.