Wer schön sein will, muss leiden? Wer um jeden Preis schlank sein will, der schon. Immer mehr Jugendliche setzen schlank mit schön gleich, die Zahl der Magersüchtigen steigt an. Am gestrigen Donnerstag ist aus diesem Grund in Berlin die Initiative „Leben hat Gewicht – gemeinsam gegen den Schlankheitswahn“ vorgestellt worden. Die Initiatorinnen sind Gesundheitsministerin Ulla Schmidt, Familienministerin Ursula von der Leyen und Bildungsministerin Annette Schavan.
Die Politikerinnen erhielten Unterstützung von Emma-Herausgeberin Alice Schwarzer sowie einigen Prominenten wie Jeanette Biedermann. Die Kampagne ist eine eindringliche Warnung vor den Gefahren der Essstörung und sagt dem Schlankheitswahn den Kampf an. Im Rahmen der Initiative fordert die Bundesregierung eine Selbstverpflichtung seitens der Werbe- und Modebranche. Außerdem sollen Aufklärung und Forschung stark ausgebaut werden.
Verwandte Artikel
„Dürrsein darf nicht länger als schick gelten, sondern muss ein Schock sein", so Schwarzer. Eine groß angelegte Umfrage des Robert-Koch-Instituts Berlin unter rund 17.000 Jugendlichen ergab, dass jeder Fünfte unter den 11- bis 17-jährigen Symptome einer Essstörung aufweist. „Erschreckend" nannte dies Ulla Schmidt: „56 Prozent der 13 bis 14-jährigen wollen dünner sein".
Von der Leyen sprach von der Magersucht als „verzweifeltem Aufschrei der Seele", Schwarzer nannte die Magersucht keine Mode, „sondern eine lebensgefährliche Angelegenheit". Auf der Seite http://www.schoener-schlanker-tot.de/ zeigen Fotos magersüchtiger Frauen diese Entwicklung auf. Martina Hartmann, Suchttherapeutin der Beratungsstelle „Dick & Dünn e.V." erklärte gegenüber dem ‚Tagesspiegel': „Früher kamen 14- bis 15-Jährigen zu uns, heute sind es 8- bis 9-Jährige".
Die Initiative richtet sich auch gegen Mode und Werbung. Magermodels gehörten weder auf den Laufsteg noch in die Werbung, so die drei Ministerinnen einhellig. Diese Aussage hatte Widerspruch im Deutschen Werberat ausgelöst. Ein Sprecher des Zentralverbands warf der Bundesregierung im Saarländischen Rundfunk „populistische Verlogenheit" vor. Man könne der Werbung nicht alles in die Schuhe schieben. Entscheidend sei immer noch die Verantwortung der Eltern. Das zu sagen traue sich aber kein Politiker.
Modemacher wie beispielsweise Jette Joop unterstützen die Kampagne allerdings. Ihrer Meinung nach machten immer wieder Models Schlagzeilen, die sich zu Tode hungern. Es sei daher eine gute Idee, die Modebranche selbst zu verpflichten, gegen Magermodels vorzugehen. Auch Gesundheitsatteste seien ein Schritt in die richtige Richtung. (ta)