Der Standard (Wien):
"Frankfurt ist nicht Washington. In der deutschen Finanzmetropole sitzt die Europäische Zentralbank, die ihre Zinszügel kräftig lockerte, aber immer noch einigermaßen fest im Sattel sitzt. In den USA wird der Rodeo-Stil bevorzugt - die amerikanische Notenbank hat die Zügel bereits aus der Hand gegeben. Da lässt sich natürlich trefflich streiten, ob der wilde Ritt des Ben Bernanke nicht die angemessenere Reaktion auf die wirtschaftlichen Bocksprünge darstellt. Und Jean-Claude Trichets Dressur-Stil in der rauen Wildnis deplatziert ist. Fakt ist, dass der Rodeo-Ritt Washingtons mit größeren Risiken verbunden ist: Das Pulver wurde in den USA weitgehend verschossen. Europa hat noch Spielraum."
El Pais (Madrid):
"Die Mittel der Währungspolitik werden bald erschöpft sein. Nun kommt es darauf an, bei den staatlichen Investitionen aktiv zu werden. Die Konjunktur verläuft wie in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Die Erfahrungen müssen genutzt werden, damit die Fehler von damals nicht wiederholt werden."
Kölner Stadtanzeiger (Köln):
"Angesichts des sich rasant wandelnden Umfelds scheint es sicher zu sein, dass dieser vierten Senkung in Folge weitere folgen. Die Senkung hat immerhin den Vorteil, dass es für Banken unattraktiver wird, vorhandene Liquidität bei der EZB zu parken. Besser wäre, wenn die Banken sich endlich untereinander vertrauen und den Geldkreislauf in Gang setzen würden. Solange es aber immer wieder negative Überraschungen gibt und die neuen Regeln für Finanzmärkte nicht international abgestimmt sind, wird sich an der Verunsicherung nichts ändern. Gut, dass sich die EZB Spielraum gelassen hat."
Financial Times Deutschland (Frankfurt):
"Der EZB bleibt keine andere Wahl als weiterhin auf Sicht zu fahren und schnell zu reagieren. Mit der gestrigen Zinssenkung bleibt sie halbwegs auf der Höhe des Geschehens, mehr aber auch nicht. Dass ihr Präsident Jean-Claude Trichet momentan keinen weiteren Handlungsbedarf mehr sieht, sollte von niemandem als Selbstverpflichtung zur geldpolitischen Winterpause verstanden werden."
Rheinische Post (Düsseldorf):
"Zinssenkungen haben nicht endlos Wirkung. Von daher wären Europas Zentralbanker gut beraten, dem Zinsschritt von gestern im Februar keinen weiteren folgen zu lassen. EZB-Präsident Trichet hat diese Atempause gestern angedeutet, und er tat gut daran. Sonst droht die Zentralbank ihr Pulver zu verschießen. Und niedrige Zinsen sind ohnehin kein Automatismus, wenn es um Problemlösung geht. Schließlich müssen die Banken im Wettbewerb diese Zinssenkung weitergeben. Und weil die Gewinnspannen bei den Krediten schon klein sind, leiden die Banken selbst darunter, wenn die EZB an der Zinsschraube dreht. Die gesunden wie die kranken."