Frankfurter Allgemeine Zeitung (Frankfurt):
"Auf der einen Seite wissen die Bundeskanzlerin und ihr Finanzminister, dass ein Mitgliedsland der Europäischen Union wie Griechenland nicht in die Zahlungsunfähigkeit gestürzt werden darf. Denn die Folgen wären fatal. Auf der anderen Seite haben Merkel und Schäuble aber Rücksicht auf die Stimmung in Deutschland zu nehmen. Die kommt im konkreten Fall in dem Satz zum Ausdruck: Sollen sich die Griechen doch selber helfen. In ihrer Regierungserklärung zum Brüsseler Gipfeltreffen suchte die Bundeskanzlerin solchen Populismus auf ihre Art zu bekämpfen. Frau Merkels Warnung, im Euro-Raum dürfe nicht mit 'Tricksereien' gearbeitet werden, war vordergründig an andere Staaten, in Wirklichkeit aber auch an das deutsche Publikum gerichtet."
Münchner Merkur (München):
"Den Schwenk der Bundeskanzlerin verkaufen Merkels Getreue als Prinzipienfestigkeit. In Wahrheit aber ist auch die knausrige Kanzlerin, die den Griechen keinen Cent geben will, nur eine Getriebene: Ihre Koalition ist im Volk unpopulär wie nie, auch die persönlichen Umfragewerte sinken. Beides geht einher mit einem schweren Ansehensverlust der EU, ausgelöst durch die Euro-Krise. Vor die Entscheidung gestellt, es den EU-Partnern recht zu machen oder den eigenen, zunehmend europaskeptischen Wählern, musste Merkel deshalb nicht lange überlegen."
Mindener Tagblatt (Minden):
"Bislang stellte Deutschland die europäische Harmonie über alles, zur Not auch über das Murren der Steuerzahler daheim. Die Nachkriegszeit jedoch ist lange vorbei, die Union ist größer geworden und ihr Gefährdungspotenzial kritischer - vor allem seit Einführung des Euro. Deutschland hat deshalb allen Grund, seine Interessen nachdrücklich zu vertreten. Beim Rollenwechsel vom Zahlmeister zum Zuchtmeister sollte es allerdings auf die diplomatische Form achten - und auf eine ausreichende Zahl von Freunden und Verbündeten."
Frankfurter Rundschau (Frankfurt):
"Wenn die Bundeskanzlerin nun den Internationalen Währungsfonds ruft, um Griechenland zu retten, dann verrät sie die europäische Idee. Denn Merkel ruft niemand anderen als die USA, die den IWF mit ihrer Sperrminorität seit jeher dominieren. Welch jämmerliches Bild! Als ob die addiert größte Wirtschaftsmacht ein Problem von der Größe Hessens nicht allein lösen könnte. Aber der Verrat reicht noch viel weiter: Bislang galt die goldene Regel in Europa, dass jede Krise eine Vertiefung der Gemeinschaft mit sich bringt. Der Euro braucht eine Art Wirtschaftsregierung neben der Zentralbank, die die nationalen Politiken koordiniert. Der große Fehler von Angela Merkel ist, dass sie auf die hört, die den Euro noch nie gemocht haben. So aber bringt man Europa nicht voran."
Leipziger Volkszeitung (Leipzig):
"Aus der Mittelmäßigkeit europäischer Staatskunst ragt in dieser Krisensituation allein Angela Merkel heraus. Sie beweist außenpolitische Führungsstärke, die ihr innenpolitisch oft fehlt. Die Kanzlerin hat geschickt den Internationalen Währungsfonds als Kreditgeber für Griechenland und andere ins Spiel gebracht. Denn der überwacht Pleitestaaten ziemlich rigoros. Für ihren harten Kurs wird Merkel in etlichen EU-Ländern als Buh-Frau gescholten. Das sollte sie nicht entmutigen, sondern bestärken."
Mittelbayerische Zeitung (Regensburg):
"Statt mit Euro-Krediten zu winken, spielt Merkel erst einmal auf Zeit und stellt vage Hilfen durch den Internationalen Währungsfonds bzw. bilaterale Hilfe der EU in Aussicht. Das ist zwar nicht elegant aber vor allem wohl als Signal an die Finanzwelt gedacht: Berlin hält Athen weiterhin für kreditwürdig."