Allgemeine Zeitung (Windhoek):
"Das Lächeln war schon extrem verkniffen. Präsident Robert Mu- gabe hatte sichtlich Mühe, bei der Unterzeichnung des Macht- teilungsabkommens eine Art Freude zu heucheln und ein paar Worte ins Mikrofon zu pressen. Kaum war die Tinte auf dem Ver- tragspapier trocken, hetzte Mugabe wieder gegen das alte Feindbild, den Westen, während seine Regierungspartner Morgan Tsvangirai und Arthur Mutambara glaubhaft von Aufbruch und Hoffnung sprachen. Viel schlimmer als Mugabes deutliche Unlust zur Zusammenarbeit ist aber die erschreckende Erkenntnis, dass man in Afrika offensichtlich auch ohne den Wählerwillen an die Macht kommen oder bleiben kann. Dass Tsvangirai sich auf die- ses Abkommen eingelassen hat - und sei es noch so sehr mit Rettung von Land und Volk begründet - legitimiert die Un- rechtsherrschaft Mugabes und sendet ein gefährliches Signal: Wahlfälschung und Gewalt gegen Oppositionelle zahlen sich aus."
The Day (Daressalam):
"Das war ein großer Tag nicht nur für die Simbabwer, sondern für alle friedliebenden Afrikaner. Der Vertrag lässt unsere Hoffnung aufleben, dass wir Afrikaner doch noch in der Lage sind, uns selbt zu regieren. Wir appellieren nun an die Europäische Union, die Sanktionen gegen Simbabwe aufzuheben. Wir glauben, dass Mugabe und Tsvangirai ihre Differenzen beiseite legen und eng zusammenarbeiten werden, um eine schnelle wirtschaftliche Erholung einzuleiten."
Arab News (Dschidda):
"Man muss das Abkommen in Simbabwe willkommen heißen. Wenigstens bietet es eine Chance, dass nun das Leiden des Volks ein Ende hat. Aber so willkommen das Abkommen ist, es ist keine gerechte, sondern eine pragmatische Lösung. Denn eigentlich sollte der Führer der Bewegung für Demokratischen Wandel, Morgan Tsvangirai, Präsident sein. Er hatte die erste Wahlrunde gewonnen."
The Gleaner (Kingston):
"Ende gut, alles gut. So heißt es jedenfalls. Hoffentlich hat Simbabwe wirklich die Chance, dass alles gut wird. Die Welt muss ein wachsames Auge auf Mugabe haben. Dafür muss sie aber behutsam jedes jähe Handeln vermeiden, dass die Vereinbarung zur Machtteilung untergraben könnte. Oberflächlich betrachtet wirkt der Vertrag zwar recht umständlich, doch er kann helfen, Simabwe vom Rand des Abgrunds zu führen."
Die Presse (Wien):
"Mit seiner Unterschrift unter den dubiosen Deal hat Oppositionsführer Tsvangirai die Unrechtsherrschaft von Präsident Mugabe abgesegnet. Das sendet ein gefährliches Signal an andere afrikanische Staaten: Krude Wahlfälschung und Drangsalieren der Opposition zahlen sich aus. Denn offensichtlich hält Mugabe weiterhin das Heft in der Hand, auch wenn sich Tsvangirai stolz Premier nennen darf. Der Konflikt wurde wohl nur kurzfristig unter den Teppich gekehrt und dürfte in absehbarer Zeit umso heftiger wieder aufbrechen. Zu erwarten, dass Mugabe diesmal nicht mit gezinkten Karten spielt, ist so naiv, wie einem Krokodil den Arm ins Maul zu legen und zu hoffen: Vielleicht beißt es ja diesmal nicht."
De Volkskrant (Amsterdam):
"Für die Bevölkerung, die in einem immer ärmer werdenden Land überleben muss, kann man nur hoffen, dass dieses Wunder geschieht und dass das Ausland wieder vertrauen in Simbabwe fasst. Doch so mancher wird sich mit Angst daran erinnern, wie Mugabe in den 80er Jahren der Koalition mit seinem großen Rivalen Joshua Nkomo den Garaus gemacht hat."
Business Day (Johannesburg):
"Leoparden verändern ihre Flecken nicht und alternde Diktatoren scheinen ebenso wenig bereit, ihre Art zu ändern. Obwohl der politische Kompromiss als wichtiger erster Schritt für Simbabwes Neuordnung zu begrüßen ist - eigentlich hat sich wenig geändert. Die gleichen korrupten und gewalttätigen Staatsdiener und Polizisten üben weiter die Kontrolle aus, die Wirtschaft ist nach wie vor in einem katastrophalen Zustand und Mugabe und seine Schergen zeigen keinerlei Reue. Es muss schon mehr als ein Stück Papier her, um die gierigen Gauner, die das Land ruinierten, zur Machtteilung mit Oppositionsgruppen zu überreden, die sie verachten."
Handelsblatt (Düsseldorf):
"Absehbar ist, dass die Ära Mugabe sich dem Ende zuneigt. Schlimmer als er hat selten ein Diktator sein Land zugrunde gerichtet. So gesehen kann es eigentlich nur aufwärtsgehen. Die Opposition mag die Mehrheit der Kabinettsmitglieder stellen, aber Mugabe hat es bislang noch immer verstanden, die Zügel in der Hand zu behalten. Dass er Tsvangirai seine Erfahrung für die Regierungsgeschäfte anbietet, mutet angesichts des desolaten Zustands Simbabwes mehr als Drohung denn als Ermunterung an."
Süddeutsche Zeitung (München):
"Es wird einige Wochen dauern, bis die Weltgemeinschaft erfahren wird, ob dieser Pakt stabil genug ist. Milizen, die Mugabe aufgebaut hat, müssen demobilisiert werden, die Einschüchterung der Opposition muss aufhören. Und Tsvangirai hat die schwierige Aufgabe, als Premier dem alten Mann die Stirn zu bieten. Die Weltgemeinschaft wiederum, die Harare so lange isoliert hat, sollte nun genau beobachten, wie ernst es die alte Machtclique mit ihren Versprechungen meint."