Frankfurter Allgemeine Zeitung (Frankfurt):
"Der UNO-Generalsekretär verlangt 'kühne und entschlossene Maßnahmen', um den Hauptursachen der Ernährungskrise zu begegnen. Soll man über einen solchen Satz lachen oder weinen? Angesichts des Hungers, den Millionen Menschen leiden, verbietet sich das Lachen. Aber es ist kein Geheimnis, warum vor allem in der Dritten Welt nicht genügend Nahrungsmittel produziert werden; eine falsche Agrarpolitik und unzureichende Marktentwicklung gehören dazu. Auch die globalen Zusammenhänge sind bekannt; das Ärgernis des westlichen Agrarprotektionismus gehört dazu."
Süddeutsche Zeitung (München):
"Großkonzerne wie der US-Hersteller Monsanto machen glänzende Geschäfte damit, Saatgut zu entwickeln, das hohe Erträge verspricht, aber nur, wenn die passenden Kunstdünger und Pestizide eingesetzt werden. Besonders alarmierend ist, dass in den Labors dieser Firmen vor allem Pflanzen gezüchtet werden, die sich nicht mehr selbst vermehren können. Die Ernährung künftiger Generationen kann so nicht gesichert werden. Diese Art der Forschung dient allenfalls der Gewinnmaximierung einzelner Hersteller. Die Bauern werden in eine Abhängigkeit getrieben, der sie kaum entrinnen können. Eine undurchsichtige Agrarindustrie, die so gut wie keinen Kontrollen unterliegt, ist auf lange Sicht eine Gefahr für die Menschheit."
Die Welt (Berlin):
"Es klingt zynisch, aber ist nicht falsch deshalb: Die Verteuerung der Nahrung ist auch eine Chance. Sie muss Anlass sein vor allem für die Regierungen Afrikas selbst, in die Landwirtschaft zu investieren und vor allem die vielfältigen Investitionshemmnisse abzubauen, von denen jeder noch so gut meinende Entwicklungshelfer ein Lied singen kann."
Stuttgarter Zeitung (Stuttgart):
"Das Drama spielt sich heute ja nicht nur in einer weit entfernten 'Dritten Welt' ab; mit steigenden Lebensmittel- und Treibstoffpreisen ist zumindest der Leidensdruck auch im Herzen Europas gewachsen. Hautnah werden plötzlich globale Zusammenhänge spürbar, die vor zehn, zwölf Jahren - als nette Übung in Menschlichkeit - höchstens die Kundschaft von 'Eine-Welt-Läden' interessierten. Jetzt aber, da Wahrnehmung und Einsicht so bedrückend wachsen, wächst endlich auch die Chance auf konkrete Taten. Es ist mehr als an der Zeit."
Neue Osnabrücker Zeitung (Osnabrück):
"Entwicklungspolitik gleicht vielerorts immer noch dem Verteilen von Almosen. Dagegen sprudeln die Milliarden nur so, wenn es darum geht, Agrarprodukte mit Hilfe von Subventionen auf dem Weltmarkt zu verkaufen. Dass damit Produzenten in der Dritten Welt aller Chancen beraubt werden, wird bis heute billigend in Kauf genommen. Bestes Beispiel dafür sind die Welthandelsgespräche, die seit Jahren wegen Streits um Agrarsubventionen auf der Stelle treten. Dieser Konflikt muss endlich beigelegt werden, damit nicht nur in den Industriestaaten, sondern weltweit mehr Nahrungsmittel produziert werden."
Westfälische Nachrichten (Münster):
"Auch Finanzspritzen für die sogenannte Dritte Welt verändern nichts Grundlegendes. Vielmehr müssen Agrarstrukturen auf Dauer verändert, Monokulturen abgebaut, die Landwirtschaft in den Entwicklungsländern, aber auch in China und Indien wieder tragfähig werden. Nicht zu vergessen: Alle Maßnahmen gegen den Klimawandel tragen dazu bei, Versteppungen vorzubeugen und fruchtbaren Boden zu erhalten. Es gibt viele Stellschrauben zu drehen, Politiker und Agrarwirtschaft müssen nur endlich damit anfangen."
Allgemeine Zeitung (Mainz):
"Es sind eingefahrene Strukturen und Marktmechanismen, die dafür sorgen, dass weltweit über 800 Millionen Menschen hungern. Noch viel schlimmer aber waren und sind die Auswirkungen der jahrzehntelangen Subventionierung von Agrarprodukten in Europa und den USA. Dagegen konnte die Konkurrenz aus der zweiten und dritten Welt nämlich nicht bestehen, die Folge war allzu oft der Niedergang nationaler Agrarstrukturen, zumal die Überschüsse aus Europa und Amerika genau dort auch noch konkurrenzlos billig losgeschlagen wurden. Damit sich die Menschen in Asien, Afrika und Lateinamerika auf Dauer wieder selbst versorgen können, brauchen sie Hilfe zur Selbsthilfe. Agrarfonds für Saatgut, Dünger und Bewässerungssysteme wären eine richtige, weil dauerhafte Lösung."
Kölnische Rundschau (Köln):
"Es gehört zu den größten Skandalen der Menschheitsgeschichte, dass im 21. Jahrhundert 860 Millionen Menschen Hunger leiden - also rund jeder achte Erdenbürger. Die Ursachen sind vielfältig. Da gibt es gewissenlose Diktatoren wie den Präsidenten Simbabwes, Robert Mugabe, der sein einst blühendes Land des eigenen Machterhalts wegen in die Hungerkrise trieb. Da gibt es den Klimawandel, der die Produktionsbedingungen schon jetzt und künftig umso mehr drastisch ändert. Da gibt es Naturkatastrophen, die Ernten und Böden auf Jahre verderben. Da gibt es aber auch reiche Länder wie die der EU, die zur Stützung ihrer Wirtschaft mit vom Steuerzahler herunter subventionierten Lebensmitteln Agrarzweige in der Dritten Welt kaputtkonkurrieren. Auf Kosten der Ärmsten der Armen. Eine Schande und ein Skandal im Skandal."