Die Welt, Hamburg: "Putin, der sich in letzter Zeit regelmäßig im Ton vergreift, was wohl seiner Unsicherheit über die eigene politische Zukunft geschuldet ist, stellte gar 'Vergeltungsschritte' in Aussicht. Will er verhindern, dass der Geist des Kalten Krieges durch Europa weht, muss er verbal abrüsten. Die sachliche Diskussion, die der Kreml-Chef einfordert, lässt sich in dieser Tonlage nicht führen. Der Westen muss erkennen, dass sich Russland gegenwärtig nicht so entwickelt, wie man das gerne hätte. Der Traum von dem größten Staat der Welt, der demokratisch regiert wird und sich auf westliche Werte festlegen lässt, hat zurzeit mit der Realität nichts gemein." Daily Telegraph, London: "In der Ära Jelzin gab es die Hoffnung, durch die Erweiterung der G7 die Demokratisierung zu fördern. Heute zeigen sich aber in Russland alle Zeichen einer beginnenden Diktatur wie die Verfolgung oppositioneller Politiker und unabhängiger Medien. Die G8-Mitgliedschaft verleiht Russland eine Glaubwürdigkeit, die unter Putin nicht länger gerechtfertigt ist. Es ist Zeit, zur G7 zurückzukehren." Le Monde, Paris: "Die Russen fürchten, dass sich die Amerikaner letztlich einen umfassenden Raketenabwehr-Schild zulegen können, der ausreichend dicht ist, um ihr gesamtes Atomarsenal überflüssig zu machen. Sie zerstören in den Augen der Russen damit das Gleichgewicht zwischen Verteidigung und Angriff - und damit die Grundlage der gegenseitigen Abschreckung." Financial Times Deutschland, Frankfurt: "Es geht in diesem Dialog nicht um Raketenabwehr und auch nicht um mögliche strategische Bedenken. Es geht um den gekränkten Stolz eines Landes, das den Kalten Krieg verloren hat und nun - unter dem ständigen Zufluss von Petrodollars - den Anspruch erhebt, wieder ein Wort mitzureden. Jedes Entgegenkommen wirkt aus dieser Sicht wie eine Einladung, noch eine Schippe draufzulegen. Mit ohnmächtiger Wut hat man in Moskau beobachtet, wie sich der Einfluss der USA im eigenen Umfeld mehrte. Nun will Moskau zumindest die Auswirkungen dieser Entwicklung begrenzen. Die Reaktion darauf wird der EU und den USA schwerfallen.' Nezawissimaja Gazeta, Moskau: "Der russische Präsident sieht in der Verschlechterung der russisch-amerikanischen Beziehungen noch nicht den Anfang eines neuen kalten Krieges. Er will die Situation nicht dramatisieren und versichert, dass Russland keine Konfrontation mit dem Westen suche. Putin denkt allerdings, dass Russland vom Westen nicht gehört werde. Von einer Entspannung der Beziehungen kann deshalb noch keine Rede sein."