Das Wunder ist ausgeblieben - für den FC Bayern München war das Viertelfinale der Champions League in diesem Jahr die Endstation. Sechs Tage nach dem verheerenden 0:4 beim FC Barcelona kam die Elf von Trainer Jürgen Klinsmann im Rückspiel nicht über ein 1:1 hinaus, verabschiedete sich aber dennoch mit Würde von der europäischen Bühne.
Es war vorher eigentlich jedem klar, doch nun ist es amtlich: Der FC Bayern ist am FC Barcelona gescheitert. Vor dem Spiel hatten die Verantwortlichen des Rekordmeisters, etwa Jürgen Klinsmann oder auch Franz Beckenbauer, den Ball flach, und die Erwartungen niedrig gehalten. Ein 4:0 aufzuholen sei "vielleicht bei Untergiesing gegen Obergiesing möglich", nicht aber gegen den FC Barcelona, erklärte Beckenbauer vor dem Spiel bei 'Premiere'. Und auch die Spieler glaubten nicht wirklich an die große Sensation. "Frankfurt ist nicht Barcelona", stellte Kapitän Mark van Bommel in Bezug auf den 4:0-Sieg der Münchner am vergangenen Samstag gegen die Eintracht klar.
Und so ging es für die Bayern vor allem um eins: Wiedergutmachung, eine ordentliche Leistung abliefern - eben darum, sich anständig aus der Champions League zu verabschieden. Als Fazit des gestrigen Dienstagabends lässt sich deshalb sagen: Mission erfüllt, wenigstens diese ganz kleine. Im Vergleich zum Hinspiel an der Mittelmeerküste erlebten die Zuschauer gestern einen ganz anderen FC Bayern. Der Einsatz stimmte, die Spieler suchten, fanden und gewannen (teilweise) sogar die Zweikämpfe. Und wer weiß, was passiert wäre, wenn der Führungstreffer nicht erst in der 47. Minute durch Franck Ribery, sondern schon viel früher gefallen wäre...
Die Chancen dazu waren vorhanden, Luca Toni vergab per Kopf (5.), Ribery scheiterte bei einer Schusschance (14.). Damit waren dann aber auch die Gelegenheiten für einen Start ins Spiel, der eine tragende Euphorie auslösen hätte können, vergeben. "Leider sind wir nicht in der ersten Halbzeit in Führung gegangen, sonst hätte einiges anders laufen können", bedauerte Torwart Hans-Jörg Butt nach der Partie. Der Rest ist schnell erzählt: Barca fand mit der Zeit besser ins Spiel, die Bayern konnten allerdings mithalten, gingen durch Ribery in Führung und kassierten durch Keita das 1:1 in der 73. Minute. "Die Mannschaft hat hervorragend reagiert auf die Hinspiel-Niederlage", so das Fazit von Trainer Klismann nach der Partie. Es habe eben das nötige Quäntchen Glück gefehlt. Das ist dann freilich nur hinsichtlich eines Sieges am gestrigen Abend richtig - zum Weiterkommen hätten vor dem Gegentor mindestens drei, nach dem Treffer durch Keita gar fünf Treffer gefehlt.
Aber auch Präsident Franz Beckenbauer sah die Mannschaft nach dem Spiel "rehabilitiert". "Das 1:1 ist vom Spielverlauf in Ordnung", da Barcelona sich nicht habe hängen lassen und mit hohem Tempo gespielt habe. Es habe sich aber gezeigt, "dass der FC Bayern nicht gut genug ist, in der Champions League ins Halbfinale zu kommen." Und Abwehrspieler Philipp Lahm machte noch einmal klar, dass der Mannschaft die Ausgangssituation vor der Partie bewusst gewesen ist: "Wenn's gereicht hätte, wär's ein Wunder gewesen", so der Nationalspieler. Aber auch, wenn jeder eigentlich wusste, dass die Sache schon vor der Partie gelaufen war - ein kleines bisschen geträumt werden die Bayern dann wahrscheinlich doch haben. So gab auch Jürgen Klinsmann zu verstehen, dass er sich "natürlich ein frühes Tor erhofft" habe. Aber zufrieden war er dann ja unter dem Strich doch noch. Zumindest mit dem Auftritt am gestrigen Abend.
Gar nicht zufrieden zeigten sich die Fans des FC Bayern gestern Abend in der Allianz Arena allerdings mit Jürgen Klinsmann. Vor allem nach dem Gegentreffer zum 1:1 hallten laute "Klinsmann raus!"-Sprechchöre durch das Stadion, Ottmar Hitzfeld, ja sogar Klinsmanns Intimfeind Lothar Matthäus wurden gefordert und gefeiert, ebenso wie Bayern-Amateure-Trainer Hermann Gerland und Mehmet Scholl. Bitterböser Spott für Klinsmann aus der Südkurve, der Trainer selbst gab nach dem Spiel zu, dass ihm das weh getan habe. Retten kann ihn jetzt nur noch schnellstmöglicher Erfolg, der Gewinn der Meisterschaft ist nach dem Aus in Europa- und DFB-Pokal Pflicht - aber aus eigener Kraft nicht mehr zu schaffen.
Selbst wenn die Bayern die noch verbleibenden sieben Spiele gewinnen müssen sie darauf hoffen, dass der VfL Wolfsburg mindestens ein Spiel verliert und ein Mal nur unentschieden spielt. In den bisher zehn absolvierten Rückrundenpartien ist bislang nur letzteres vorgekommen, am 18. Spieltag erreichte Wolfsburg nur ein Unentschieden in Köln, die darauffolgenden 9 Spiele konnte das Team von Felix Magath allesamt gewinnen - inklusive dem 5:1 gegen den FC Bayern. Und von dem wissen sie ja auch in München, dass seine Mannschaften zumindest konditionell bis zum Ende der Saison auf höchstem Niveau spielen können. Immerhin ist Magath Jürgen Klinsmanns Vor-Vorgänger an der Säbener Straße gewesen.
Unterdessen wurde bekannt, dass Klinsmann rechtliche Schritte gegen die Berliner Tageszeitung 'taz' eingeleitet hat. Diese hatte den Schwaben in ihrer Osterausgabe in einer Fotomontage ans Kreuz gehängt, versehen mit der Schlagzeile "Always Look on the Bright Side of Life", in Anspielung an den Monty-Python-Film 'Das Leben des Brian'. Darunter titelte das Blatt "Von Deutschlands Superstar zu Bayerns Buhmann: Sonnyboy Jürgen Klinsmann versiebt ein Spiel nach dem anderen. Warum dem gefallenen Heiland nun die Kreuzigung droht."
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Klinsmann sieht sich von dieser Art der Darstellung "zutiefst und massiv" in seiner Menschenwürde verletzt, wie die Anwälte des ehemaligen Nationaltrainers mitteilten. Die Zeitung soll eine Unterlassungserklärung unterzeichnen, andernfalls werde "gerichtliche Hilfe" in Ansoruch genommen. Den Streitwert hat die Anwaltskanzlei Gabriel und Collegen bei 100.000 Euro festgesetzt, bei Zuwiderhandlungen soll eine Vertragsstrafe von 100.000 Euro fällig werden. Die 'taz' weigert sich bisher, eine Unterlassungserklärung zu unterzeichnen. Man sehe einem möglichen Prozess gelassen entgegen, hieß es. Und das, obwohl es sich in diesem Fall laut FC Bayern-Mediendirektor Markus Hörwick um "die vielleicht schlimmste Entgleisung, die es je in den deutschen Medien gegeben hat" handelt. Auch wenn es sportlich derzeit nicht rund läuft: Immerhin haben sie an der Säbener Straße noch nicht verlernt, sich selbst als Mittelpunkt der Welt zu sehen.