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Joachim Löw und Jungs gegen Rumänien: Mehr als ein Freundschaftsspiel

08.07.2010ALLES ENTSCHEIDENDE STURM-LÜCKE

Internationale Pressestimmen zu Deutschland-Spanien: 'Thomas Müller fehlte'

Die internationalen Pressestimmen attestieren Spanien einen verdienten Sieg im WM-Halbfinale gegen Deutschland. Ohne Thomas Müller sei die DFB-Elf kaum wiederzuerkennen, urteilen die Kommentatoren.

Aus der Traum: Die Pressestimmen aus Europa halten das Ergebnis von 1:0 im WM-Halbfinale Spanien gegen Deutschland für gerecht.

Mit einem spektakulären Kopfball in der 73. Minute hatte Carles Puyol die erbitterte Gegenwehr des Teams von Joachim Löw endgültig gebrochen. Die technisch und taktisch überragenden Kicker von der iberischen Halbinsel dominierten das Spiel über weite Strecken, die Mannen um Bastian Schweinsteiger hingegen hatten immer wieder große Schwierigkeiten, zurück ins Spiel zu finden.

Dem Ergebnis entsprechend feiern die meisten internationalen Pressestimmen daher auch die überragende Leistung Spaniens, das sich als würdiger WM-Finalgegner für die Niederlande entpuppte. In Mailand titelte die Tageszeitung 'Gazzetta dello Sport': "Spanien, du bist geil! Das schönste Team schlägt die Deutschen und steht erstmals im Finale." Im Untertitel resümiert das rosafarbene Blatt das Spiel wie folgt: "Der Katalane Puyol fällte die Entscheidung. Paul, die Krake, hatte schon wieder recht."

Der Mailänder Zeitung zufolge hätte Toni Kroos das Blatt jedoch noch wenden können: "Als er anstelle von Trochowski dort eingewechselt wurde, wo wir (und Löw) am liebsten Thomas Müller gesehen hätten, trat er Caceres den Ball direkt in die Arme - ein Fehltritt, der seine Karriere trotz des blutjungen Alters nachhaltig trüben könnte. Das Ergebnis wäre dann zwar verfälscht gewesen, weil Deutschland nur verteidigt hatte - aber wenn Schönheit im Narzißmus mundet, wie es bei den Spaniern manchmal passiert, dann lauert hinter der Ecke stets die Bestrafung. Was auch die Holländer sehr genau wissen."

In der Einzelwertung würdigt das Blatt auf deutscher Seite Arne Friedrich als Besten auf dem Feld: "In den letzten zwei Jahren hat er enorme Fortschritte gemacht, die man mit 30 normal so nicht mehr hinbekommt. Er bleibt einfach unübertroffen." Ganz gut kommt auch Bastian Schweinsteiger weg: "Er ist sich die Lunge aus dem Leib gelaufen, um alle Löcher zu stopfen. Seine Aufopferungswille ist lobenswert, es fehlte aber der Spielaufbau nach vorne."

'Tuttosport' aus Turin titelt hingegen: "Ganz Spanien schreit: Puyol! Verteidiger holt Deutschland vom Himmel." Mit Thomas Müller habe einfach der überragende Spieler gefehlt, urteilt die Tasgeszeitung: "Deutschland hat uns ganz schön enttäuscht, es kam über die Dreiviertellinie nicht hinaus und konnte nur ein paar Mal vorne etwas aufbauen. Wer weiß, ob die junge Mannschaft dem psychologischen Druck nicht standhielt, oder mit der Abwesenheit von Thomas Müller nicht klarkam: Er ist nämlich, mehr als Özil, der Mehrwert dieses Deutschlands."

In Rom titelt der 'Corriere dello Sport': "Die Krake setzt wieder auf den Richtigen: Puyol besiegt die Deutschen." Im Fließtext heißt es dann: "Das gestrige Spiel war keine überragende Begegnung, am Ende hat sich aber das Team durchgesetzt, das mehr Verdienste aufweisen konnte, und sich mehr um Tore bemüht hat. Die Jungs von Joachim Löw haben die Reifeprüfung auch deswegen nicht bestanden, weil ihr Trainer auf das falsche Pferd gesetzt hat, um Thomas Müller zu ersetzen, und es dann mit der Auswechslung von Trochowski zu spät gemerkt hat."

Unter den italienischen Pressestimmen beschäftigt sich auch die Wirtschaftszeitung 'Il Sole 24 Ore' mit dem WM-Halbfinale, und titelt: "Rote Furien schreiben Geschichte. Del Bosques Mannschaft dominiert unangefochten mit ständigem Ballbesitz und fliegt nach Johannesburg zum Showdown mit Holland." Das Bild aus dem Stiefelstaat komplettiert der 'Corriere della Sera' aus Mailand: "Spanien ringt mit Hilfe eines taktischen Meisterwerks Deutschland nieder. Meisterhafte Vorbereitung von Del Bosque."

In den Niederlanden zieht indessen 'De Telegraaf' das folgende Fazit: "Puyol, der Hai, ist Spaniens Held." In Paris setzt 'L'Equipe' das Pünktchen aufs i: "Spaniens Trainer Del Bosque erwartete mehr Gegenwehr." In London freut sich demgegenüber 'The Sun': "Krake macht Wettfreunde reich." (mso)

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