Die internationalen Pressestimmen zum Ausscheiden des amtierenden Weltmeisters aus der WM 2010 sparen nicht gerade mit Schadenfreude. In Italien selbst hingegen ist das Entsetzen ob der Niederlage gegen die Slowakei groß.
Ein Rivale weniger: Aus den europäischen Pressestimmen ist ein deutliches Aufatmen herauszuhören, seit Weltmeister Italien gestern gegen die Slowakei verlor und aus der WM 2010 ausschied.
In der zweiten Halbzeit wachten die über weite Strecken lethargischen 'Azzurri' zwar noch einmal auf, gegen die ihre Chancen gnadenlos ausnutzenden Slowaken war die bleiern wirkende Elf von Nationaltrainer Marcello Lippi allerdings machtlos. Da half auch das wütende Aufbegehren in den letzten 20 Spielminuten nichts. Dieses hatte Regisseur Andrea Pirlo eingeläutet, als er eingewechselt wurde und dem zähen Ringelpinz seiner Kameraden noch ein letztes Quäntchen Leben einhauchte.
Laute Empörung und Trauer prägt heute folglich die Pressestimmen im Fußball-Land Italien ob der erbärmlichen Leistung der eigenen Mannen. Stellvertretend für das Empfinden vieler titelt die Mailänder 'Gazzetta dello Sport' "Alles schwarz!", in Anlehnung an den WM-Titel von vor vier Jahren: "Alles wahr!" Darüber, wie die Zeitung die Leistung des eigenen Teams einschätzt, spricht der Untertitel Bände: "Schlechtestes Italien aller Zeiten rausgeflogen."
Im Fließtext führt das rosafarbene Sportblatt diese Wertung noch einmal detailliert aus: "Am furchtbarsten und dunkelsten Tag unserer Fußballgeschichte sind wir aus der WM geflogen, und können uns darüber nur auf magere Weise hinwegtrösten, indem wir uns einreden, dass wir Pech hatten - ein verdientes und homöopathisch dosiertes Pech übrigens. In Johannesburg gab es ein gealtertes, zerfallenes, initiativ- und ideenloses Team zu besichtigen, das von den bescheidenen Slowaken technisch und körperlich dominiert wurde. Kurzum, eine erbärmliche Leistung, die dritte in Folge: Wir sind in der leichtesten Gruppe Letzte geworden."
Der 'Corriere dello Sport' aus Rom schreit seinerseits fassungslos auf: "Eine Schande! Slowakei schmeißt uns raus." Bitterböse kommentiert die Tageszeitung im Anschluss die Leistung von Nationalcoach Lippi: "Die Sache hat auch etwas Komisches, ja Lächerliches an sich. Manch einer mag das für einen letzten, männlichen Akt der Courage gehalten haben. Lippi erschien in der Pressekonferenz und verkündete: 'Es ist alles meine Schuld.' Ach nein, Deine Schuld? Natürlich ist es Deine Schuld. Sag uns vielleicht lieber, was Du Dir dabei gedacht hast."
Auch der renommierte Mailänder 'Corriere della Sera' kann sich eine gewisse Häme nicht verkneifen, und bildet auf der Titelseite Marcello Lippi als Zeichentrickfigur ab, die über der Unterschrift 'Sic Transit Gloria Mundi' mit gepackten Koffern in der Hand fordert: "Jetzt will ich Minister werden. Ich erwarte nicht, dass mir der Prozess gemacht wird."
Ganz anders hingegen die Tonart bei den Pressestimmen aus den europäischen Partnerstaaten. Die 'Bild'-Zeitung jubelt "Ätschivederci, Italien!" und feiert mit einer ausgiebigen Fotostrecke "Die Tränen des gestürzten Weltmeisters". In London feixt die 'Sun': "Lippi bringt den italienischen Seufzer. Seine Flops haben dafür gesorgt, dass Italien aus der WM gekracht ist."
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Aus Amsterdam titelt hingegen 'De Telegraaf' lapidar: "Italien macht den Abgang. Der amtierende Weltmeister muss nach einem Thriller-Spiel gegen die Slowakei nach Hause. Nach zwei gleichermaßen schwachen Spielen gegen Neuseeland und Paraguay konnten die 'Azzurri' wieder nichts reißen. Das Team war offensiv lahm und defensiv schlampig." (mso)